New York. Da standen sie nun, die angeblichen Erzfeinde, und hörten nicht auf, einander über den grünen Klee zu loben. "Die Zusammenarbeit war hervorragend. Ich kann ihm gar nicht genug danken." "Der Gouverneur leistet nicht nur großartige Arbeit. Er hat sich mit Herz und Seele der Hilfe der Menschen in seinem Bundesstaat verschrieben." "Der Präsident und sein Team haben uns von Anfang an geholfen. Sie sind Freunde New Jerseys." Und so weiter, und so fort.

Weder optisch noch stilistisch kann man sich zwei gegensätzlichere Charaktere vorstellen als Barack Obama und Chris Christie. Der eine schwarz, dünn, zurückhaltend, kühl, politisch liberal; der andere weiß, dick, extrovertiert, polternd, rechtspopulistisch. Seit vergangenem Wochenende bilden der Gouverneur von New Jersey und der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika das wohl ungewöhnlichste politische Tandem, das das Land seit dem Amtsantritt von Letzterem gesehen hat.

50 Milliarden Dollar Schaden durch den Sturm


Hurrikan "Sandy" macht’s möglich. Der große Sturm, der in die Woche vor der Präsidentschaftswahl am 6. November fiel, hat auch die politische Landschaft der USA aufgewirbelt. Inwiefern sich der Habitus der handelnden Personen in Zeiten der Krise auf die Entscheidung der Wähler auswirken wird, lässt sich indes kaum seriös voraussagen. Seitdem der Wind und das Wasser an der Ostküste Schäden verursacht haben, die nach ersten Schätzungen bis in die 50 Milliarden Dollar gehen, traut sich praktisch keines der großen Meinungsforschungsinstitute, eine Prognose über die politischen Folgen des Desasters, das in den USA laut CNN mindestens 56 Menschen in den Tod riss - anderen Angaben zufolge liegt die Zahl der Todesopfer in den USA bei 76. In der Karibik starben 69 Menschen aufgrund des Sturms.

Die meistgehörte Phrase der Meinungsforscher und der professionellen Ausleger ihrer Erkenntnisse in Funk und Fernsehen lautet dieser Tage: Das Rennen ums Weiße Haus sei "eingefroren"; feststellen ließe sich lediglich, dass sich Obama einmal mehr als Krisenmanager profilieren und im Rahmen dessen auch seine Fähigkeit zum politischen Brückenschlag zur Schau stellen konnte. Der Republikaner Christie, der in Sachen landesweiter Bekanntheit wie Popularität nahezu alle seine Parteifreunde abhängt, hatte sich zuvor im Wahlkampf mächtig für Mitt Romney ins Zeug gelegt.