Sein überbordendes Lob für Obama hat freilich auch ganz handfeste, pragmatische Gründe. Nachdem das von den Folgen von "Sandy" am heftigsten von allen betroffene New Jersey de facto pleite ist, werden mindestens zwei Drittel des für den Wiederaufbau der kaputten Infrastruktur benötigten Gelds aus dem nicht minder defizitären, aber mit ungleich größerem Spielraum ausgestatteten Bundeshaushalt kommen müssen. Egal, wer im Weißen Haus sitzt.

Angesichts der der Naturkatastrophe, die Prognosen zufolge das Wirtschaftswachstum der USA im vierten Quartal auf ein Prozent drücken könnte, lässt sich so auch, quasi im Umkehrschluss, sagen, dass sie Obamas Kontrahenten nicht genützt hat. Im Internet kursierte schon zu dem Zeitpunkt, als die ersten Tropfen fielen, ein Clip aus dem Archiv des Nachrichtensenders CNN, in dem Mitt Romney im Rahmen der republikanischen Vorwahlen im Frühjahr Stellung zu einem damals hypothetischen Dilemma nahm. Auf die Frage, wo im Fall einer Naturkatastrophe das Geld für Helfer und Wiederaufbau herkommen soll, meinte er damals, dass die jeweils betroffenen Bundesstaaten die Rechnung bezahlen sollen.

Die Wiederentdeckung
des Gemeinwesens?

Eine angesichts der budgetären Lage ebendieser so populistische wie unrealistische Haltung, woran sich die republikanische Stammwählerschaft - wie an so vielen anderen inneren Widersprüchen ihres Kandidaten - freilich nicht weiter stößt. Daran ändern auch wütende Kommentare eines Leitmediums wie der "New York Times" ("A big storm requires big government") nichts, die angesichts der andauernden Romney’schen Tiraden kaum noch zum Verschnaufen kommt. Immerhin wurden diese sturmbedingt wieder zum Thema - auch wenn sich die Demokraten davor hüten, sie als Wahlkampfwaffe einzusetzen. Obamas Helfer vertrauen vielmehr auf den Subtext der Ereignisse, Motto: "Sandy" habe den Amerikanern nicht nur gezeigt, dass sie einen fähigen Krisenmanager zum Präsidenten haben, sondern auch, dass die Bundesregierung nicht jenes Werk des Teufels ist, als die sie etwa Romneys Möchtegern-Vize Paul Ryan darstellt; sondern eine helfende, unverzichtbare Hand in Zeiten der Not. Die Hoffnung, dass diese Botschaft vor allem in Swing States wie dem ebenfalls vom Sturm betroffenen Virginia ankommt, lebt.