So schaut es aus, wenn man vom malischen Militär Besuch bekommt. - © Foto: apaWeb / Reuters /Joe Penney
So schaut es aus, wenn man vom malischen Militär Besuch bekommt. - © Foto: apaWeb / Reuters /Joe Penney

Der starke Mann des Militärs von Mali, Hauptmann Amadou Haya Sanogo, hat wieder zugeschlagen. Der Führer des Putsches vom 22. März hat in der Nacht auf Dienstag den Chef der Übergangsregierung festnehmen lassen. Wenige Stunden nach der Erstürmung seines Hauses trat Regierungschef Cheick Modibo Diarra zurück. "Ich entschuldige mich bei allen Menschen in Mali, die unter dieser Krise zu leiden haben", erklärte er Dienstag früh in einer Fernsehrede, in der er seinen Rücktritt und den der gesamten Regierung bekannt gab. Zur Zeit steht er unter Hausarrest.

Ein Militärsprecher in Bamako sagte, Präsident Dioncounda Traore werde noch am Dienstag einen neuen Regierungschef ernennen. Als Grund für die militärische Intervention, die er keinen Putsch nennen wollte, nannte er interne Konflikte. Der geplante Militäreinsatz im Norden Malis habe keine Rolle gespielt.Auch das Hauptquartier von Traores Partei war von Soldaten gestürmt worden.

Die Militärs hatten im März den gewählten Präsidenten Amadou Toumani Toure mit der Begründung gestürzt, dass die Regierung nicht entschlossen genug im Kampf gegen die Islamisten und Tuareg-Rebellen im Norden des Landes durchgreife. Der gestürzte Regierungschef Diarra gilt als entschiedener Befürworter einer internationalen Friedenstruppe, die im Auftrag der UNO gemeinsam mit den malischen Einheiten die Macht der Separatisten im Norden brechen soll. Angeblich wollen manche Militärs, unter ihnen Hauptmann Sanogo, lediglich internationale Unterstützung bei Ausrüstung, Ausbildung und Logistik. Der Militäreinsatz soll aber in nationaler Regie geführt führen.

Auf Bitten der bisherigen Regierung Malis bereitet die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS einen Militäreinsatz mit etwa 3.500 Soldaten vor. Auch die EU will Mali mit mehr als 200 Militärausbildern unterstützen. Die Vorbereitungen dafür gehen trotz des Sturzes von Diarra weiter. "Natürlich werden wir ganz besonders aufmerksam verfolgen, welche Haltung das Militär einnimmt und ob es sich weiterhin in das politische Leben einmischt oder nicht", sagte ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton am Dienstag in Brüssel. "Wir hoffen, dass so rasch wie möglich ein neuer Premierminister ernannt wird, damit die Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Ordnung beschleunigt wird", sagte der EU-Sprecher.

Für den geplanten Militäreinsatz steht noch die Zustimmung des UN-Sicherheitsrates aus. Chaos und Menschenrechtsverletzungen prägen nach Berichten von UN-Vertretern und Menschenrechtsorganisationen die Lage im Norden Malis.  Anfang Dezember gab es in Ouagadougou, der Hauptstadt Burkina Fasos, Verhandlungen zwischen der Regierung von Mali, den Tuareg und Ansar Dine, um eine politische Lösung zu finden. Die Gespräche führten zu keinem konkreten Ergebnis.