Washington. (vee) Nordkoreas erfolgreicher Raketenstart vorige Woche war ein Triumph für das Regime in Pjöngjang und versetzte der Welt einen Schrecken. Jetzt aber stellt sich heraus: Das offizielle Hauptziel der Mission, einen funktionierenden Forschungssatelliten in der Erdumlaufbahn zu haben, könnte verfehlt worden sein.

"Kwangmyongsong-3" wurde seit seiner Ankunft im All von internationalen Astronomen beobachtet. Ihr vorläufiges Fazit: Er gebe kein Signal von sich, zudem habe er keine stabile Lage - im Gegenteil, er taumle unkontrolliert. "Unseres Wissens nach funktioniert er nicht", sagte Jonathan McDowell vom Harvard-Smithsonian-Zentrum für Astrophysik. Es sei unklar, ob der am letzten Mittwoch ins All beförderte Satellit nach seinem Start möglicherweise noch funktioniert habe, führte McDowell aus. Er befinde sich definitiv im All, sende aber keinerlei Signale aus.

Experten unschlüssig


Stuart Eyes, leitender Ingeneur bei der Surrey Satellite Technology in Großbritannien wiederum sagte zur BBC, dass es noch zu früh wäre, den Satelliten für tot zu erklären. Er betonte, dass jeder Raumflugkörper nach der Lancierung instabil sei und dass Nordkorea dabei sein könnte, das Problem zu beheben. "Wir brauchen für gewöhnlich zwei oder drei Tage, um einen Satelliten zu stabilisieren, und wir wissen, was wir tun - wohingegen es der erste Versuch der Nordkoreaner ist", sagte Eyes. Es sei umsichtig, erst zu warten, ob es Versuche gäbe, ihn zu stabilisieren.

Pjöngjang behauptet hingegen, dass der waschmaschinengroße Trabant funktioniere und revolutionäre Lieder zur Erde sende.

Wenig beeindruckt zeigen sich laut "Spiegel Online" westliche Experten auch von der Unha-3-Trägerrakete, die den Satelliten in den Orbit transportiert hat. Trümmer davon hatte die südkoreanische Marine aus dem Meer gefischt. Das bisher größte Teil ist ein Treibstofftank, an dessen Unterseite vier Öffnungen zu sehen sind. Diese ließen aber laut dem Münchner Raketenfachmann Markus Schiller bisher nicht auf eine Verbesserung des Systems schließen.