Algerische Militärfahrzeuge nahe dem Gasfeld In Amenas - dem Schauplatz des blutigen Geiseldramas. - © APAweb/Anis Belghoul/AP/dapd
Algerische Militärfahrzeuge nahe dem Gasfeld In Amenas - dem Schauplatz des blutigen Geiseldramas. - © APAweb/Anis Belghoul/AP/dapd

Die Nachricht wirkt wie aus einem absurden Theaterstück: Der angebliche Grund für den blutigen Terrorüberfall in Algerien existiert nicht. Die Terroristen hatten die Geiseln genommen, um damit gegen Flüge französischer Transportmaschinen über Algerien zu protestieren. Nun stellte sich heraus, dass die Flugzeuge den Weg über Marokko genommen hatten. Das geht aus einer Darstellung des französischen Außenministers Jean-Yves Le Drian hervor.


Links
Dossier Mali
wienerzeitung.at ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.

Bei dem Geiseldrama in einer algerischen Gasanlage sind fast 60 Geiseln getötet worden und damit deutlich mehr als bisher angenommen. Aus japanischen Regierungskreisen hieß es am Montag, dass auch neun Japaner ums Leben kamen.

Insgesamt kamen bei dem vier Tage währenden Terrorakt fast 90 Menschen ums Leben, darunter auch Arbeiter aus den USA, aus Großbritannien, Frankreich, Norwegen und Rumänien sowie von den Philippinen ums Leben oder gelten noch als vermisst. Mehr als 700 algerische Arbeiter und mehr als 100 ausländische Mitarbeiter konnten entkommen.

Islamisten hatten die Anlage mitten in der Wüste am Mittwoch gestürmt und ein Ende der französischen Militärintervention im benachbarten Mali gefordert.

Fanatiker kündigt weitere Angriffe an

Die hinter der Geiselnahme stehende Islamistengruppe hat weitere Angriffe angekündigt. "Wir versprechen weitere Einsätze in allen Ländern, die an dem Kreuzzug gegen Azawad (den Norden Malis) teilgenommen haben, wenn sie ihre Entscheidung nicht überdenken", hieß es in einer Erklärung der Gruppe Al-Mulathamin ("Die mit Blut unterzeichnen").

Trotz der hohen eigenen Verluste meinte der Sprecher der  Terrororganisation, die Operation sei "aus unserer Sicht ein Erfolg" gewesen.

Die Zusammenarbeit der Fanatiker in Nordafrika dokumentiert eine Aussendung der algerischen Regierung: 32 Terroristen sollen aus dem von islamistischen Rebellen beherrschten Norden Malis stammen, heißt es darin..

Al-Mulathamin schreibt in einer Erklärung, dass sie versucht habe, mit der algerischen Armee zu verhandeln. Sie forderte unter anderem den Stopp des französischen Militäreinsatzes gegen Islamisten in Mali sowie die Freilassung von Gesinnungsgenossen. Statt zu verhandeln habe die algerische Armee aber den Angriff bevorzugt, der zu der "Eliminierung der Geiseln" geführt habe. Bei der blutigen Beendigung des mehrtägigen Geiseldramas wurden dutzende Menschen getötet. Zeitweise hatten die Islamisten auf dem Gelände bei In Amenas nahe der libyschen Grenze hunderte Geiseln festgehalten.