Bamako/Tripolis. (leg) Die Islamisten in Mali müssen sich unter dem Druck der Offensive der von Frankreich unterstützten Armee mehr und mehr zurückziehen. Laut Augenzeugenberichten standen die malisch-französischen Truppen am Freitag kurz vor der Einnahme Timbuktus. Auch die Islamistenhochburg Gao ist bereits in Reichweite der malischen Armee, ein Sturm auf die Stadt könnte bald beginnen.

Aus Timbuktu sind die islamistischen Rebellen laut Augenzeugen vor den anrückenden Truppen und den Angriffen der französischen Luftwaffe geflohen. Ein Vertreter der Stadtverwaltung sagte, Timbuktu gleiche einer Geisterstadt. Da das Handynetz nicht funktioniert, haben auch Hilfsorganisationen keinen Kontakt zu ihren Helfern in Timbuktu. "Die Situation ist schwierig", sagt Rosa Crestani, Noteinsatz-Koordinatorin von Ärzte ohne Grenzen. "In den vergangenen Tagen ist die Zahl der Flüchtlinge aus Mali in unseren Lagern in Mauretanien stark angestiegen", berichtet sie der "Wiener Zeitung".

Auf das Flüchtlingsproblem verweist auch die EU-Kommission. Nothilfekommissarin Kristalina Georgieva warnt vor Flüchtlingsströmen bei Kämpfen um Timbuktu oder Gao. Die Lebensmittelversorgung bereite "sehr große Sorgen". In Mali, das immer wieder von Dürren heimgesucht wird, könnten bereits jetzt etwa fünf Millionen Menschen auf Lebensmittelhilfen angewiesen sein.

Diesen Samstag finden zwei afrikanische Krisentreffen zur Lage in Mali statt. In der ivorischen Wirtschaftsmetropole Abidjan besprechen die Generalstabschefs der westafrikanischen Staaten den Mali-Militäreinsatz. Und auch beim 20. Gipfeltreffen der Afrikanischen Union in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba steht die Situation in Mali im Mittelpunkt. Die Art, in der die Armee den Kampf gegen die Islamisten führt, wurde zuletzt von Menschenrechtlern kritisiert. Laut der Organisation FIDH sollen malische Soldaten in mehreren Orten Verdächtige hingerichtet haben.

Westen erzürnt Libyen


Der Mali-Konflikt zieht Kreise bis ins instabile Libyen: Wegen einer Warnung haben die Regierungen mehrerer westlicher Staaten, darunter Deutschlands, Großbritanniens, Hollands und Australiens, ihre Staatsbürger aufgerufen, die Region um die libysche Hafenstadt Benghazi umgehend zu verlassen. Das deutsche Außenamt sprach von einer "unmittelbaren konkreten Bedrohung westlicher Staatsangehöriger". Libyen zeigte sich verärgert. Kein Land habe den Beschluss vorab mitgeteilt. In Österreich gab es bereits vor dem aktuellen Hinweis eine Reisewarnung für ganz Libyen.