Im Iran spitzt sich die Krise innerhalb der Führungsriege zu: Der Oberste Geistliche Führer, Ayatollah Seyed Ali Khamenei, fand für die jüngste öffentliche Auseinandersetzung zwischen Präsident Mahmoud Ahmadinejad und dem Parlamentspräsidenten Ali Larijani sowohl am Donnerstag, als auch am Freitag sehr deutliche Worte: "Die Verantwortlichen in diesem Land sollten lieber das Wohl des Landes im Auge behalten und ihre derzeitiges schlechtes Verhalten und ihre Fehltritte unterbinden", so Khamenei bei Veranstaltungen anlässlich der Feierlichkeiten zum 34. Jahrestag der Islamischen Revolution.

Dass die Angelegenheit noch längst nicht "gegessen" sei, ließ Khamenei ebenfalls wissen. "Ich werde zu einem angemessenen Zeitpunkt noch über diese Sache sprechen", ließ er wissen.

Gemeint ist der Parlamentsauftritt von Ahmadinejad am vergangenen Sonntag, bei dem er Larijani und seine Familie mit der Vorführung eines Videos beschuldigte, korrupte Machenschaften zu veranstalten und Postenbesetzungen zu beeinflussen. Larijani seinerseits konterte, dass sich Ahmadinejad mit seinem Verhalten selbst disqualifiziert und gegen die Gesetze der Islamischen Republik verstoßen habe. Zudem warf er ihm "Mafia-Methoden" vor. Schließlich kam es zum Eklat, als Ahmadinejads Arbeitsminister von der Mehrheit der Abgeordneten abgewählt wurde und Larijani den gedemütigten Präsidenten mit den Worten "Sie haben kein Recht mehr zu sprechen" des Parlaments verwies. Die Debatte wurde live im iranischen Radio übertragen und ist seit Tagen das wichtigste Thema in der iranischen Innenpolitik.

Auch der zweitmächtigste Mann des Iran, Ayatollah Ali Akbar Hashemi-Rafsanjani, der wie Larijani zu den größten Kritikern Ahmadinejads zählt, hatte sich heuer schon mehrmals über den Stil Ahmadinejads beschwert. "Der Präsident habe das Land an den Rand des wirtschadftlichen und politischen Abgrundes geführt und es werde schwer, diese Schäden wieder zu reparieren, so Rafsanjani.
(APA)