Damaskus. Gegenseitige Schuldzuweisungen herrschen nach dem möglichen Einsatz von Chemiewaffen in der syrischen Provinz Aleppo, Spekulationen machen die Runde. Das syrische Außenministerium forderte am Mittwoch UNO-GeneralsekretärBan Ki-moon und den Sicherheitsrat dazu auf, die Rebellen am Erlangen von Massenvernichtungswaffen zu hindern. Demnach habe die islamistische Al-Nusra-Front eine Fabrik im Osten Aleppos eingenommen, in der Tonnen an Chlor-Gas gelagert worden sei. Die oppositionelle Nationale Koalition konterte, es gebe "vermehrt Anzeichen", dass das Regime Chemiewaffen eingesetzt habe.

Der israelische Geheimdienstminister erklärte - allerdings ohne Berufung auf Quellen - , es sei "offenbar klar", dass in Syrien Chemiewaffen zum Einsatz gekommen seien. Allerdings gibt es auch Stimmen, die den Einsatz chemischer Waffen in Zweifel ziehen. So könnten die aus der syrischen Stadt Aleppo gemeldeten Toten nach einem Bericht des Senders Al-Jazeera auch auf einen Angriff mit Pestiziden zurückzuführen sein. Unbestritten ist lediglich, dass mindestens 15 Menschen bei dem Vorfall im Dorf Khan al-Assal getötet wurden - überlebende Regimegegner berichteten von stechendem Geruch und Atembeschwerden.

Opposition gespalten


Nach der Wahl von Ghassan Hitto zum Übergangspremier der syrischen Opposition sind mindestens zwölf Mitglieder der Nationalen Syrischen Koalition aus dem größten Oppositionsbündnis ausgetreten. Die Koalition sei ein nicht gewähltes Gremium und habe als solches nicht das Recht, einen Regierungschef per Mehrheitsvotum zu bestimmen, sagte der Oppositionelle Kamal Labwani am Mittwoch. Hitto konnte bei seiner Wahl lediglich 35 der 49 Stimmen der Nationalen Koalition für sich verbuchen.