Russlands Präsident Putin (r.) und Chinas Staatschef Xi gehen in vielen politischen Fragen in die selbe Richtung. - © epa
Russlands Präsident Putin (r.) und Chinas Staatschef Xi gehen in vielen politischen Fragen in die selbe Richtung. - © epa

Moskau. "Brüder auf immer und ewig" - die Parole, mit der China und die damalige Sowjetunion in den 1950er Jahren ihre Beziehungen preisten, war bereits in den 60ern nichtig geworden. 1969 standen sich die Truppen der beiden kommunistischen Großmächte am Fluss Ussuri bewaffnet gegenüber.

Doch noch heute sind die autoritären Giganten aufeinander angewiesen: hier das ressourcenreiche und dünn besiedelte Russland, dort das ressourcenarme und bevölkerungsreiche China. "Tonangebend in der Weltpolitik" seien die russisch-chinesischen Beziehungen, sagte Russlands Präsident Wladimir Putin bei seinem Treffen mit dem neuen chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping am Freitag in Moskau. Es ist die erste Auslandsreise Xis in seiner neuen Funktion - ganz bewusst wählte er Russland aus, bevor er am Sonntag zum Treffen der BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) nach Südafrika aufbricht. Putin und Xi betonen gern ihre "strategische Partnerschaft" - auch wenn es eine Freundschaft voller Argwohn ist.

Beide Staaten suchen Anerkennung und fühlen sich vom Westen missverstanden. Beide erhöhen ihre Ausgaben für das Militär, beide treten die Bürgerrechte mit Füßen. Und beide haben bis heute in den - gleichzeitig immer wieder bewunderten - USA das größte Übel ausgemacht. Sie verbitten sich fremde Einmischung, vertreten bei Separationsbestrebungen - Russland etwa im Nordkaukasus, China in Tibet - ähnliche unnachgiebige Positionen und haben teils mit ähnlichen sozialen Spannungen zu kämpfen. Europa erscheint ihnen oft als zu liberal, weshalb sie füreinander anziehender werden.

Wichtige Annäherung bei den Gasverhandlungen

Auf dem internationalen Parkett halten sie sich etwa bei der Syrien-Frage an dieselbe Position: dem Veto im UN-Sicherheitsrat. Auch am Freitag standen Fragen der internationalen Politik auf der Tagesordnung. Ebenso wie die Pipeline, die russisches Gas nach China transportieren soll. Seit Jahren verhandeln Moskau und Peking um den Preis, ohne eine Einigung zu erzielen. Nun gab es aber eine wichtige Annäherung: Der russische Staatskonzern Gazprom und das chinesische staatliche Unternehmen CNPC einigten sich in einem Memorandum grundsätzlich auf einen Kontrakt mit 30 Jahren Laufzeit. Die Pipeline gilt als russische Warnung an den Westen und die EU, dass Russland seine Rohstoffe auch nach Asien verkaufen kann. Etwa 15 Millionen Tonnen Öl fließen bereits jährlich vom russischen Skoworodino weiter ins chinesische Mohe. Es sollen noch mehr werden. China braucht für seinen Aufstieg Rohstoffe - und findet sie in Russland.

Doch die 3645 Kilometer lange Grenze, die die Staaten verbindet, trennt sie auch. Rund sechs Millionen Russen leben in den dünn besiedelten sibirischen Randgebieten. Dort, wo der Winter lang und kalt ist, wo es kaum Arbeit gibt. Das Leben siecht dahin, seit der Staat, wie in der Sowjetunion üblich, nicht mehr mit ausgiebigen Gehaltszulagen in die unwirtlichen Regionen lockt. In der nordchinesischen Provinz Heilongjiang sind es dagegen 38 Millionen Menschen, bei 1,3 Milliarden Chinesen nicht gerade viel, möchte man meinen, doch weckt dieses Kräfteverhältnis Ängste auf der russischen Seite: "Schluckt China unser Sibirien?", fragen sich manche.

Kamen die Chinesen vor 20 Jahren noch als Schwarzarbeiter auf die andere Seite des Amur, beherrschen sie jetzt die Märkte in russischen Grenzregionen, bauen Hotels und Supermärkte, übernehmen Fabriken und Unternehmen. Vor 60 Jahren war das sowjetische Russland noch der wichtigste Entwicklungspartner Chinas, jetzt investieren die Chinesen Milliarden in Russland.

Die Ungleichheit in den Beziehungen wächst, vor allem in den Grenzregionen. Das chinesische Wirtschaftswunder trifft hier am deutlichsten auf die träge russische Entwicklung. In der Bevölkerung überwiegt ohnehin das Misstrauen. Es ist eine Beziehung wie in einem chinesischen Sprichwort: "Tong chuang, yi ming", gleiches Bett, verschiedene Träume.