Setzt Assad Phosphor ein?

Der Vormarsch der bewaffneten syrischen Opposition erfolgt schrittweise, Armee und Rebellen sind in zähe, blutige Kämpfe verwickelt. In Damaskus schlugen Granaten in unmittelbarer Nähe des Präsidentenpalasts ein. Die Armee beantwortete den Angriff mit Geschützfeuer, die Rede ist von den schwersten Kämpfen in der Damaszener Innenstadt seit Ausbruch des Bürgerkrieges. Auch an der Grenze zu Jordanien und zu Israel wird heftig gekämpft, am Sonntag haben Rebellen den wichtigsten Grenzübergang nach Jordanien erobert, bestätigen jordanische Quellen. Für den Rest Syriens gilt, dass Informationen nur schwer auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft werden können. Die Meldungen, wonach Chemiewaffen eingesetzt werden, reißen jedenfalls nicht ab. Rebellen werfen jetzt der Armee vor, Phosphor-Granaten eingesetzt zu haben. Zwei oppositionelle Kämpfer sollen gestorben und mehrere verwundet worden sein. In der Vorwoche hat die Armee die Oppositionellen beschuldigt, Giftgas einzusetzen. Die Opposition beschuldigte ihrerseits die Armee.

Mit Riad al-Asaad ist zudem eine zentrale Figur des Kampfes gegen das syrische Regime schwer verletzt worden. Asaad, der 2011 die aus Deserteuren bestehende "Free Syrian Army" gegründet hatte, wurde im Osten Syriens durch eine Sprengfalle schwer verletzt und verlor ein Bein. Er ist angeblich außer Lebensgefahr und wird in einem türkischen Spital behandelt. Wer hinter dem Attentat steht, ist unklar.

Faktum ist, dass Assads Machtbasis langsam erodiert. Zum ersten Mal haben jetzt Vertreter der Alawiten zum Sturz des Diktators aufgerufen. Assad selbst gehört dieser religiösen Gruppe an - es handelt sich um eine Schiiten-Abspaltung -, deren Vertreter die meisten bedeutenden Posten im Staatsdienst und die Führung der Armee innehaben. Rund zehn Prozent der syrischen Bevölkerung besteht aus Alawiten. "Wir rufen unsere Brüder in der syrischen Armee auf, speziell die Mitglieder unserer Gemeinschaft, nicht die Waffen gegen ihr Volk zu erheben und den Eintritt in die Armee zu verweigern", heißt es jetzt in einer Erklärung, die in Kairo verlesen wurde.