Paris/Wien. Schon 2011 wurde die Entwicklungshilfe aus den Staatsbudgets der Industrienationen beschnitten. Vergangenes Jahr wurde ein neuer Tiefpunkt erreicht: Um 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr ist die Official Development Aid (ODA - also alles, was nicht private Spenden sind) gesunken. Die Geberländer wendeten nur 0,29 Prozent ihres Bruttonationaleinkommens für die wirtschaftliche Entwicklung der Länder des globalen Südens auf. Das UN-Ziel laut seit jeher, eine Marke von 0,7 Prozent zu erreichen.

OECD: Besorgniserregender Trend für Millenniumsziele

OECD-Generalsekretär Angel Gurría nannte den Trend bei der Veröffentlichung der Zahlen durch seine Organisation "besorgniserregend", da die Hilfszahlungen zum zweiten Mal in Folge gesunken sind. Er erinnerte an die Millenniumsziele der Vereinten Nationen, die weltweite Armut bis 2015 zu halbieren. Die offizielle Entwicklungshilfe sei notwendig, um diese Ziele zu erreichen.

Besonders betroffen von den Kürzungen ist der afrikanische Kontinent. Die Entwicklungshilfe für Subsahara-Afrika ist gegenüber 2011 um empfindliche 7,9 Prozent gekürzt worden (auf 26,2 Milliarden Dollar). Insgesamt ist die offizielle Entwicklungshilfe für den afrikanischen Kontinent um 9,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr gefallen. Das resultiere auch daraus, dass 2011 einige Länder Nordafrikas im Zusammenhang mit dem "Arabischen Frühling" eine "außergewöhnliche Unterstützung" erhalten haben, schreibt die Organisation für Entwicklungszusammenarbeit. Ausgaben für Polizeitraining, den Aufbau von sozialen und kulturellen Programmen sowie die Betreuung von Flüchtlingen sowohl in Entwicklungsländern (als auch in den ersten 12 Monaten in den Geldgeber-Ländern selbst) sind beispielsweise als offizielle Entwicklungshilfe verbuchbar.

Zuschüsse für die Gruppe der so genannten "Least Developed Countries" - die ärmsten Länder der Welt, die vor allem in Afrika, Asien und Ozeanien zu verorten sind - wurden um fast 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr gekürzt (um 12,8 Prozent auf 26 Milliarden Dollar).

Die Studie deutet laut OECD darauf hin, dass es eine Verlagerung der Entwicklungshilfe gibt - weg von den Ärmsten hin zu Ländern mittleren Einkommens in Fernost, sowie Süd- und Zentralasien, vor allem China, Indien, Indonesien, Pakistan, Sri Lanka, Usbekistan und Vietnam. Viele dieser Länder gelten als aufstrebende Wirtschaftsmächte und sind somit Hoffnungsträger für das globale Wirtschaftswachstum.

Die offizielle Entwicklungshilfe für diese Länder werde wahrscheinlich in Form von zinsgünstigen Darlehen (sogenannte "soft loans") kommen.

Österreich steigerte seine Hilfe - auf niedrigem Niveau

Trotz der schwachen Wirtschaftslage schafften es neun Länder, 2012 mehr Entwicklungshilfe zu leisten als im Jahr davor. Unter diesen Ländern befindet sich auch Österreich, dessen offizielle Entwicklungshilfe gegenüber dem Vorjahr um 6,1 Prozent angestiegen ist. Möglich gemacht haben das Schuldenerlässe gegenüber Subsahara-Afrika. Österreich ist mit Luxemburg das einzige EU-Land, das 2012 seine Entwicklungshilfe gegenüber dem Vorjahr gesteigert hatte. Allerdings auf niedrigem Niveau: Die heimischen Ausgaben für Entwicklungshilfe sind 2011 erheblich gesunken; nur 0,27 Prozent des Bruttonationaleinkommens wurde für Entwicklungshilfe ausgegeben. 2012 waren es dafür rund 0,3 Prozent - insgesamt 1,18 Milliarden Dollar. Die Alpenrepublik bleibt damit weiterhin deutlich hinter dem UNO-Ziel von 0,7 Prozent zurück. Die offizielle Entwicklungshilfe der 15 EU-Länder ist um 7,3 Prozent gefallen.

Während die Entwicklungshilfe insgesamt gefallen ist, konnte die Hilfe für bilaterale Projekte (zu denen weder Schuldenerlass noch humanitäre Hilfe zählen), um 2 Prozent zulegen. Hilfen für multilaterale Institutionen (darunter fallen etwa zum Teil Zuschüsse an die Weltgesundheitsorganisation) sind um 7,1 Prozent gefallen. Die USA wiederum steigerten ihre Zuschüsse für solche Institutionen auf ein historisches Hoch von 4,9 Milliarden Dollar - das ist ein Anstieg von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr.