Der Diktator Nordkoreas, Kim Jong-un, möchte von den USA als Gesprächspartner auf Augenhöhe anerkannt werden. Doch diese sperren sich gegen direkte Kontakte mit dem Regime in Pjöngjang. - © epa
Der Diktator Nordkoreas, Kim Jong-un, möchte von den USA als Gesprächspartner auf Augenhöhe anerkannt werden. Doch diese sperren sich gegen direkte Kontakte mit dem Regime in Pjöngjang. - © epa

Pjöngjang/Wien. (klh/reu) Nordkorea stößt nach seinen Kriegsdrohungen die USA erneut vor den Kopf: Das vom Westen geächtete Land hat einen US-Staatsbürger zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Kenneth Bae soll laut Gericht einen Umsturzversuch geplant und "feindliche Akte" in Nordkorea begangen haben, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA.

Bae wurde Anfang November vergangen Jahres festgenommen, nachdem er mit gültigem Visum über die nordkoreanisch-chinesische Grenze eingereist war. Laut südkoreanischen Medienberichten war der Reiseführer mit fünf Touristen unterwegs. Sie hätten eine Computerfestplatte mit sensiblen Dateien bei sich gehabt.

US-Medien berichteten zudem, dass Bae Verbindungen zu protestantischen Kirchen hätte. Dies wird in Nordkorea nicht gerne gesehen, Christen werden hier verfolgt. Der südkoreanische Aktivist Do Hee-yoon sagte, der Mann sei vermutlich festgenommen worden, weil er Fotos von abgemagerten nordkoreanischen Kindern gemacht habe, um für mehr Hilfe zu werben.

Kenneth Bae wurde nun zu Zwangsarbeit verurteilt. - © reuters
Kenneth Bae wurde nun zu Zwangsarbeit verurteilt. - © reuters

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Nordkorea US--Staatsbürger zu Haft oder Zwangsarbeit verurteilt. Seit 2009 traf es sechs Amerikaner. Sie alle kamen aber im Laufe der Zeit frei, nachdem hochrangige Persönlichkeiten, etwa die Ex-Präsidenten Jimmy Carter oder Bill Clinton, Pjöngjang besucht und über das Schicksal ihrer Landsleute verhandelt haben.

Ex-Präsident Carter soll Reise nach Pjöngjang planen


Auch Kenneth Bae wird laut Beobachtern vor allem als Faustpfand in Nordkorea festgehalten. Diktator Kim Jong-un will damit erzwingen, dass die Vereinigten Staaten direkten Kontakt mit Nordkorea aufnehmen.

Nordkoreas Regime möchte von den USA als Atommacht und als Gesprächspartner auf Augenhöhe anerkannt werden. Derzeit sperren sich die USA aber gegen direkte Gespräche und haben stattdessen Sanktionen im UN-Sicherheitsrat gegen Pjöngjang vorangetrieben. Grund dafür war Nordkoreas dritter Atomtest im Februar. Danach sind die Spannungen immer weiter gestiegen. Die USA und Südkorea führten ein gemeinsames Militärmanöver durch, Nordkorea stieß Kriegsdrohungen gegen die beiden Länder aus.

Laut der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap soll nun Ex-Präsident Carter einen erneuten Besuch in Nordkorea planen. Dabei könnte er nicht nur über die Freilassung Baes verhandlen, sondern auch den Atomstreit ansprechen.