Beirut. Abdo hatte in Syrien ein gutes Leben, er hatte seinen eigenen kleinen Handy-Shop. Doch als der Krieg in seinen Heimatstadt Jobar kam, änderte sich alles.

Er wollte zum Marktplatz, um Brot einzukaufen, als ihn eine Explosion umfegte. Granatsplitter im Gesicht, am rechten und linken Arm und am linken Bein. Sein linker Arm steckt noch in der Bruchfixierung, die er im Krankenhaus bekommen hat, sein linkes Bein ist eingegipst und seine Hand geschient. Aber statt sein Schicksal zu beklagen, spricht Abdo von seiner Dankbarkeit: der Dankbarkeit, dass er noch lebt, und der Dankbarkeit, dass er im Libanon professionelle medizinische Hilfe bekommen hat. Im Februar wurde er operiert, und nun geht es ihm peu à peu besser.

Abdo lebt nun seit März in einer Garage in einer kleinen Stadt in der Bakaa-Ebene, wo viele Flüchtlinge aus Syrien Unterschlupf gefunden haben. Die nackten Ziegelwände sind alles andere als wohnlich, es gibt in dem Raum keine Privatsphäre, keine Küche, kein Bad, keine Toilette.

"Der Krieg muss aufhören"


Dabei hat Abdo noch Glück gehabt. Gleich vor der Garagentür leben dutzende Menschen in Zelten, die im Winter eiskalt waren und nun, da der Sommer naht, heiß wie Backöfen sind. Ein paar Autominuten von der Garage, in der Abdo mit seiner insgesamt 14-köpfigen Familie lebt, sind in den vergangenen Monaten ganze Zeltstädte entstanden.

Zwei Männer, fünf Frauen und acht Kinder im Alter von sieben bis neun Monaten leben in der Garage. Da Abdo aufgrund seiner Verletzungen nicht arbeiten kann, hat die Familie beträchtliche Geldsorgen: Wie sollen sie die Arztrechnungen für Abdo bezahlen? Woher soll das Geld für die Medikamente kommen? Die Garage kostet Miete, und dann muss noch Essen auf den Tisch.

Doch wenn Abdo in die Gesichter seiner Kinder blickt, lächelt er sanft: "Allah wollte, dass ich überlebe. Ich glaube, ich habe für meine Kinder überlebt."

Und was denkt Abdo über den Krieg? "Wir wollen, dass der schreckliche Krieg, die Massaker, die in Syrien passieren, endlich aufhören. Es interessiert uns nicht, wer an all dem schuld ist. Wir brauchen Frieden. Der Krieg muss aufhören, damit unsere Kinder wieder die Schule besuchen können, das ist im Moment unser einziges Anliegen", erklärt Abdo. Der Aufstand, der zum Bürgerkrieg metastasiert ist, geht nun bereits seit 15. März 2011 und hat weit mehr als 100.000 Menschenleben gefordert. Mehr als 1,5 Millionen Syrer sind in die Türkei, nach Jordanien oder in den Libanon geflüchtet, zwischen 4,5 bis 6 Millionen Menschen sind in Syrien innerhalb des Landes aus umkämpften Gebieten in sicherere Regionen geflohen. Viele Flüchtlinge aus Syrien werden auch das Gefühl nicht los, dass an dem Schicksal der Syrer niemand wirklich interessiert ist und die Menschen in Syrien zu Opfern in einem Stellvertreterkrieg geworden sind.