Hisbollah-Führer Nasrallah stützt Assad. - © APaWEB/AP /SANA
Hisbollah-Führer Nasrallah stützt Assad. - © APaWEB/AP /SANA

Damaskus/Beirut/Brüssel. Samstagabend hatte Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah seine bedingungslose Unterstützung für das syrische Regime erklärt, wenig später schlugen bereits Raketen in einem Hisbollah-Vorort Beiruts ein. Die erste Rakete traf nach übereinstimmenden Angaben von Anrainern und Sicherheitsbeamten ein Autogeschäft, die zweite wenig später ein Wohnhaus. Fünf Personen wurden dabei verletzt. Wer die Raketen abgeschossen hatte war vorerst unklar. Libanesische Sicherheitsbeamte berichteten allerdings, rund 8 Kilometer von der Einschlagstelle seien drei Raketenabschusseinrichtungen gefunden worden. Eine von ihnen habe offenbar nicht richtig funktioniert. Das Militär nahm Ermittlungen auf.

Es handelte sich um den ersten Angriff auf ein Hochburg der Hisbollah-Miliz seit Beginn des syrischen Bürgerkrieges. Dieser hatte auch innerhalb des multikonfessionellen Libanons die Spannungen zwischen den einzelnen Religionen verstärkt. Die Hisbollah hatte lange Zeit geleugnet, aktiv an Kämpfen in Syrien beteiligt zu sein, nun scheint sie sich offensiv zur Unterstützung Assads zu bekennen.

Schützenhilfe für Assad

Denn in einer Fernsehbotschaft anlässlich des 13. Jahrestag des Abzugs der israelischen Truppen aus dem Südlibanon am Samstagabend versprach Nasrallah einen "Sieg" in Syrien. Ein Sturz des Regimes von Bashar al-Assad komme nicht infrage. Die Hisbollah werde nicht zuschauen, wie Extremisten gemeinsam mit den USA und anderen westlichen Staaten Syrien das Rückgrat brechen, erklärte der Hisbollah-Chef in seiner Ansprache.

Vor allem in der strategisch wichtigen Stadt Al-Qusair an der Grenze zum Libanon sollen gegenwärtig zahlreiche Hisbollah-Mitglieder an der Seite des Regimes kämpfen. 2.000 Kämpfer der Schiitenbewegung seien dort mittlerweile im Einsatz, berichtet ein syrischer Oppositioneller am Samstag.

Die oppositionelle syrische Nationale Koalition rief am Sonntag die Hisbollah-Kämpfer zum Desertieren auf. Die Hisbollah wiederhole den "schweren Fehler Assads", indem sie ihre Kämpfer zum Töten "unschuldiger Syrer" zwinge, erklärte das Oppositionsbündnis. Es weise die "Aufrufe der Hisbollah zur Umwandlung der syrischen Revolution in einen regionalen Konflikt" zurück. Die Nationale Koalition war am Sonntag den vierten Tag in Folge in Istanbul versammelt, um sich auf eine gemeinsame Haltung zur geplanten Syrien-Konferenz zu einigen.

Waffenlieferungen

Um eine gemeinsame Position gegenüber der syrischen Opposition ringen am Montag auch die EU-Außenminister in Brüssel. Im Zentrum der Gespräche stehen mögliche Waffenlieferungen an die Rebellen. Entsprechende Forderungen kommen vor allem von Großbritannien und Frankreich, während Österreich dies vehement ablehnt. Schafft es die EU nicht sich auf eine gemeinsame Position zu einigen, laufen Ende Mai sämtliche Sanktionen gegen Syrien aus - auch jene gegen das Regime Assad.

Sollte es zu Waffenlieferungen nach Syrien kommen, wäre die österreichische Beteiligung an der UNO-Friedensmission UNDOF am Golan nur noch schwer aufrechtzuerhalten, erklärten im Vorfeld der Gespräche sowohl Bundeskanzler Werner Faymann als auch Außenminister Michael Spindelegger. Entzieht Österreich der UNDOF die Unterstützung, würde dies wohl das Ende der Mission bedeuten.