Ein Bub in Uniform mit Spielzeugwaffe während der Feiern zum Rückzug israelischer Truppen aus dem Südlibanon vor 13 Jahren. - © APAweb/ AP /Hussein Malla
Ein Bub in Uniform mit Spielzeugwaffe während der Feiern zum Rückzug israelischer Truppen aus dem Südlibanon vor 13 Jahren. - © APAweb/ AP /Hussein Malla

Beirut/Damaskus/Istanbul. Es sind Feierlichkeiten zum "Tag des Widerstands und der Befreiung" im Libanon, die der Generalsekretär der Schiitenbewegung Hisbollah, Hassan Nasrallah, für eine Kampfansage nutzt. "Ich habe euch immer einen Sieg versprochen - und heute tue ich das erneut", ruft er seinen Anhängern von einer Großleinwand aus zu.

Gefeiert wird am Samstagabend der Rückzug israelischer Truppen aus dem Südlibanon vor 13 Jahren. Die Hisbollah sieht dies als ihren Verdienst an. Nun will sie erneut "siegen": gegen die Feinde des syrischen Regimes und ihre Verbündeten.

Am nächsten Morgen schlagen zwei Raketen in südlichen Vororten der libanesischen Hauptstadt Beirut ein, fünf Menschen werden verletzt. In den betroffenen Stadtteilen leben viele Hisbollah-Funktionäre. Zunächst bekennt sich niemand zu dem Angriff. Es könnten radikale libanesische Sunniten sein und Unterstützer der syrischen Rebellen, wird gemunkelt. Oder auch radikalisierte Palästinenser, die schon seit Jahrzehnten in Flüchtlingslagern des Landes ihr Dasein fristen. International wächst die Furcht vor einem Flächenbrand - der von Syrien ausgehend die ganze Region erfasst.

Mobilisierung

Die Nasrallah-Rede birgt jede Menge Zündstoff. Denn es ist das erste Mal, dass sich die Hisbollah so deutlich und offiziell zu den Kämpfen in Syrien bekennt. Syrische Oppositionelle berichten zwar schon seit geraumer Zeit, dass immer mehr Hisbollah-Milizionäre an der Seite der Soldaten des Regimes von Bashar al-Assad kämpfen. Allein bei der Schlacht um den Ort Al-Kusair nahe der Grenze sollen es 2000 sein. Im Libanon gibt es außerdem regelmäßig Trauerfeiern für "Märtyrer, die im Jihad gestorben sind".

Seit Ende März die vom pro-syrischen Lager bestimmte Regierung im Libanon nach einem Streit zerbrach, hält sich die nun entmachtete Hisbollah nicht mehr zurück. Sie mobilisiert immer offensiver zur Unterstützung ihres Verbündeten Assad im Nachbarland - begleitet von unverhohlenen Drohungen gegen Israel. Seine Organisation erwarte Waffenlieferungen aus Syrien, die die militärische Balance im Nahen Osten verändern könnten, tönte Nasrallah jüngst. Zuvor hatte Israel Lieferungen von Chemiewaffen sowie hochmodernem Militärgerät aus Syrien an die Hisbollah als "rote Linie" bezeichnet.

Politiker mahnen zur Besonnenheit

Nach den Raketenangriffen am Sonntag haben Militär und Polizei Beirut massiv abgesichert. Libanesische Politiker mahnen zur Besonnenheit. Der Konflikt zwischen der Hisbollah und den Assad-Gegnern könnte schnell eskalieren. Schon einmal trieben rivalisierende Religionsgruppen und politische Parteien das Land von 1975 bis 1990 in einen verheerenden Bürgerkrieg.

Die Hisbollah blieb auch danach - unter dem Schutz Syriens - eine bewaffnete Kraft im Libanon. Von vielen Libanesen wurde das, um den Frieden zu wahren, zähneknirschend geduldet. Nun greifen aber auch einige Gegner der Hisbollah zu den Waffen: Radikal-islamische Salafisten etwa bekommen durch den Aufstand in Syrien Auftrieb. Im traditionell konservativ-sunnitischen Tripoli wird seit einer Woche heftig gekämpft. In seiner Rede versucht Nasrallah, die Libanesen mit Warnungen vor "Extremisten", die der Terrororganisation Al-Kaida nahestünden, auf seine Seite zu ziehen.

Im Zentrum Beiruts - zehn Fahrtminuten von den Orten der Raketeneinschläge entfernt - herrscht am Sonntagvormittag reger Betrieb. Sportlich angezogene Frauen wärmen sich vor einem Zehn-Kilometer-Lauf durch die Stadt auf. "Wir wollen ein Signal zu unseren Führern senden", sagt Läuferin Sana Adschus der Nachrichtenagentur dpa. "Wir sind Überlebenskünstler und eure Pläne und Ziele werden uns nicht beeinträchtigen."