Damaskus/Beirut/Teheran. Mehr als zwei Wochen kämpften die Truppen von Syriens Präsident Bashar al-Assad erbittert um die vor einem Jahr von den Aufständischen eroberte Grenzstadt Qusair. Nun haben sie nicht nur die strategisch wichtige Kleinstadt, sondern die gesamte Region wieder unter ihre Kontrolle gebracht. Bei der Einnahme seien zahlreiche Rebellen getötet oder festgenommen worden, berichtete das syrische Staatsfernsehen am Mittwoch.

Die Aufständischen bestätigten, sich nach massiven Angriffen in der Nacht auf Mittwoch aus der Stadt an der Grenze zum Libanon zurückgezogen zu haben. Regierungstruppen und Hisbollah-Kämpfer hätten hunderte Menschen getötet, teilten die Rebellen mit.

Strategisch wichtige Stadt
Qusair spielt eine strategisch wichtige Rolle bei der Sicherung von Handelswegen zwischen Syrien und dem Libanon. "Wer auch immer Qusair kontrolliert, kontrolliert das Zentrum des Landes; und wer auch immer das Zentrum des Landes kontrolliert, hat die Kontrolle über ganz Syrien", sagte der syrische Brigadegeneral Yahya Suleiman in einem Fernsehbericht. Eine Erklärung, die freilich erst nach der Einnahme der Stadt durch die Regierungstruppen kam.

Überraschungsangriff im Morgengrauen
Der Sender zeigte Bilder, wie Soldaten syrische Flaggen mit Fotos von Assad in Schutthaufen rammten. Ein Hisbollah-Kämpfer sagte zu Reuters, die Stadt sei in einer nächtlichen Offensive eingenommen worden: "Wir überraschten sie mit einem plötzlichen Überfall früh am Morgen und kamen in die Stadt. Sie flohen."

Nach Aussage der Rebellen trug die Intervention der Hisbollah-Miliz entscheidend zur Eroberung der Stadt durch die Truppen von Assad bei. Der Rückzug sei "angesichts dieses riesigen Waffenarsenals und des fehlenden Nachschubs und der eklatanten Einmischung der Hisbollah" erfolgt, heißt es in einer Mitteilung der Aufständischen. Dutzende Rebellen seien zurückgeblieben, um den Rückzug der Kameraden und Zivilisten abzusichern.

Der Iran gratuliert zum Sieg über "ungläubige Sunniten"
Gratulationen kamen umgehend auch vom Iran, der das syrische Regime unterstützt und als wichtigster Unterstützer der Hisbollah gilt. Das Land "beglückwünscht die Armee und das syrischen Volk zum Sieg gegen die ungläubigen sunnitischen Terroristen in der Stadt Qusair," erklärte der iranische Vize-Außenminister Hossein Amir Abdolahian nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA am Mittwoch.

Die Regierungstruppen sind in Syrien damit weiter auf dem Vormarsch. Für Assad bedeutet die Kontrolle über die Stadt auch den ungehinderten Zugang von der Hauptstadt Damaskus in das Siedlungsgebiet seiner alawitischen Glaubensgemeinschaft, die ihre Wurzeln im schiitischen Islam hat. Die Rebellen kommen vor allem aus der sunnitischen Bevölkerungsmehrheit.

Syrische Armee "sichert und säubert"
Nach ihrem Sieg in der Stadt Qusair hat die syrische Armee angekündigt, die Rebellen im gesamten Land zu "vernichten". Nach "aufeinanderfolgenden Fortschritten im Krieg gegen organisierte Terroristen" würden die Streitkräfte nun gegen Aufständische "in allen Ecken Syriens" vorgehen, teilte die Armee am Mittwoch laut der amtlichen Nachrichtenagentur Sana mit. Zur Lage in Qusair hieß es, syrische Regierungssoldaten seien "nach einer Reihe heikler Operationen" seit dem Morgengrauen dabei, "die Stadt zu sichern und zu säubern".