Es ist Krieg, Händler Oded Amba kann diesmal nicht in die Obsthaine an der syrisch-israelischen Grenze hinunter. - © Hackl
Es ist Krieg, Händler Oded Amba kann diesmal nicht in die Obsthaine an der syrisch-israelischen Grenze hinunter. - © Hackl

Quneitra. Nur wenige hundert Meter von der Grenze zu Syrien entfernt, steigt Oded Amba fast täglich seit Jahrzehnten in seine Obsthaine hinunter. Doch diesen Donnerstag musste er aus Sicherheitsgründen zum ersten Mal seit vierzig Jahren draußen bleiben, als die heftigen Gefechte zwischen syrischen Rebellen und den Truppen von Bashar al-Assad um die Stadt Quneitra die unmittelbare israelische Grenzregion zur Sperrzone werden ließen.

Sein Verkaufsstand steht an einem unter Touristen beliebten Aussichtspunkt. Und Quneitra liegt in Sichtweite. Immer wieder tönen von dort Gewehrschüsse und das dumpfe Donnern syrischer Artillerie. Zwischen den Gebäuden sieht man Rauch aufsteigen. Im Grünland zwischen Syrien und Israel liegt ein kleiner Stützpunkt der seit 40 Jahren hier stationierten Blauhelme des Undof-Mission, darunter auch 378 österreichische Soldaten, die nun abgezogen werden sollen. Sollte der Abzug tatsächlich wie geplant Anfang nächster Woche stattfinden, könnten bald auch andere Entsendeländer nachziehen. Dass Russland tatsächlich ein Kontingent schicken wird, wie von Präsident Wladimir Putin angeboten, ist nicht wahrscheinlich. Moskau steht im Bürgerkrieg fest an der Seite Assads, die geforderte Neutralität ist hier nicht gegeben.

Ein Scheitern der Mission würde Syrien und Israel ein großes Stück weiter aneinanderrücken. Die Pufferzone der Beobachtermission würde sich so in eine Konfrontationslinie verwandeln. "Sollte es dazu kommen, dass die UN-Truppen abziehen, ist das für Israel sehr Besorgnis erregend", sagte ein Sprecher des israelischen Militärs der "Wiener Zeitung" am Freitag. Der Hauptauftrag der Mission ist die Beobachtung der Einhaltung des Waffenstillstandsabkommens zwischen Syrien und Israel, das 1974 geschlossen wurde. Die Blauhelme durch ihre Anwesenheit viele Zwischenfälle verhindert, so der Sprecher.

"40 ruhige Jahre"


Das israelische Militär spricht sich auch gegen einen Abzug der Beobachter aus, weil sich die Lage am Golan ähnlich wie jene am ägyptischen Sinai entwickeln könnte. "Etwa könnten islamistische Gruppierungen das Grenzland nutzen, um immer wieder nach Israel zu schießen", so der Sprecher der Armee. Das würde Israel zu einer Reaktion zwingen und wiederum Eskalation fördern. "Für die israelische Seite und die Armee war die UNO-Mission eine sehr gute Sache. Die letzten 40 Jahre waren ruhig."