Aleppo/Homs/Beirut. Nach der Eroberung der strategisch wichtigen Kleinstadt Qusair bereitet das syrische Regime anscheinend einen Angriff auf die nördliche Metropole Aleppo vor. Bereits am Wochenende starteten Regierungstruppen nach Oppositionsangaben eine massive Offensive im Umland. Nun hieß es aus syrischen Sicherheitskreisen, ein Angriff stehe unmittelbar bevor.

Syrischen Rebellen ist es aber gelungen, einen von ihnen schon seit mehr als einem Jahr belagerten Militärflughafen in der Provinz Aleppo zu stürmen. Das meldeten Revolutionsaktivisten am Montag. Sie berichteten von heftigen Kämpfe mit den Regierungstruppen auf dem Flughafen Minigh.

Zahlreiche Rebellen und Zivilisten flüchteten vor den Kämpfen über die libanesische Grenze. Nach Österreichs Rückzug vom Golan ist weiterhin kein Nachfolger für die UNDOF-Mission in Sicht.

"Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Schlacht um Aleppo sehr bald beginnen wird - sei es in den nächsten Stunden, sei es in den nächsten Tagen. Ziel ist die Rückeroberung von Dörfern und Städten, die gegenwärtig von Rebellen besetzt sind," erklärte ein Mitglied des syrischen Geheimdienstes am Sonntag.

Kämpfe wurden auch aus dem Umfeld der Hauptstadt Damaskus und aus Homs gemeldet. In Homs kamen bei einem Selbstmordattentat sieben Menschen ums Leben. An der Grenze zum Libanon, nahe Qusair, hatten Regierungstruppen bereits am Samstag den letzten von Rebellen gehaltenen Stützpunkt erobert.

Syrien verfolgt im Libanon Oppositionelle
Auf libanesischem Territorium verfolgte Syriens Armee Oppositionelle, die zuvor aus Qusair geflohen waren. Kampfflugzeuge flogen nach Angaben lokaler Sicherheitsbehörden am Samstag dabei zum zweiten Mal binnen einer Woche Angriffe auf Ziele im Osten des Libanon. Auch Dutzende syrische Zivilisten überquerten die Grenze zum Libanon. Wie das libanesische Rote Kreuz mitteilte, wurden binnen zwei Tagen knapp 90 Verletzte in Krankenhäuser der östlichen Bekaa-Ebene und in den Norden des Landes gebracht.

In der libanesischen Hauptstadt Beirut starb bei Protesten gegen die Hisbollah ein junger Mann nach Angaben aus Sicherheitskreisen an den Folgen von Schussverletzungen. Demonstranten waren bei dem Versuch, mit einer Sitzblockade in der Nähe der iranischen Botschaft gegen den Kampfeinsatz der Schiiten-Miliz zu protestieren, von Unbekannten beschossen worden, hieß es. Laut Augenzeugen hatte es zuvor ein Handgemenge zwischen bewaffneten Anhängern der Hisbollah und Demonstranten gegeben. Der Iran und Syriens Regime sind die wichtigsten Verbündeten der Hisbollah. Bei der Rückeroberung von Qusair hatten Hisbollah-Kämpfer eine wichtige Rolle gespielt.

Zukunft der UNDOF-Mission weiterhin unklar

Nach dem Rückzug Österreichs vom Golan bleibt unterdessen die Zukunft der UNDOF-Mission weiterhin unklar. Zwar hatte Russland angeboten, die rund 380 gegenwärtig auf dem Golan stationierten Österreicher zu ersetzen, die UNO lehnte dies aus formalen Gründen jedoch ab. Hintergrund ist ein Abkommen, das der UN-Mission zugrunde liegt. Demnach ist die Beteiligung von ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrates ausgeschlossen. Russland gehört ebenso wie die USA, China, Frankreich und Großbritannien zu diesen fünf permanenten Mitgliedern. Moskau kritisierte die Ablehnung russischer Friedenskräfte als Zeichen veralteter Politik.

Ungeachtet der Zurückweisung der Vereinten Nationen haben die Premierminister Israels und Russland, Benjamin Netanyahu und Wladimir Putin am Sonntag telefonisch über den Syrien-Konflikt beraten. Nach dem Gespräch sparte Netanyahu nicht mit Kritik an Österreich: "Die Auflösung der UNO-Kräfte auf dem Golan unterstreicht die Tatsache, dass Israel seine Sicherheit nicht internationalen Kräften überlassen kann. Diese können, Teil von Lösungen sein, aber nicht das Fundament der Sicherheit Israels," so der israelische Premier.

Der israelische Minister für internationale Beziehungen, Juval Steinitz, lehnte eine russische Beteiligung an der UNDOF-Mission ab: "Putins Idee, russische Soldaten könnten die Österreicher in der UNO-Truppe ersetzen, ist nicht durchführbar", sagte Steinitz dem israelischen Militärradio.