Reykjavik/Washington/Hongkong. Ein Charterflugzeug steht nach Angaben aus Wikileaks-Kreisen bereit, um den nach Hongkong geflohenen US-Computerexperten Edward Snowden nach Island auszufliegen. "Alles auf unserer Seite ist bereit, das Flugzeug könnte morgen abheben", sagte der Geschäftsmann Olafur Sigurvinsson, der mit der Enthüllungsplattform Wikileaks in Verbindung steht, am Donnerstagabend dem isländischen Sender Channel2. "Wir haben getan, was wir können. Wir haben ein Flugzeug und die gesamte Logistik. Jetzt warten wir nur auf die Antwort der (isländischen) Regierung."

Sigurvinsson ist Chef von Datacell, einer Partnerfirma von Wikileaks, die Spenden für die Enthüllungsplattform verwaltet. Das Flugzeug, das Snowden aus Hongkong ausfliegen soll, gehört laut Sigurvinsson einer chinesischen Firma und wurde mithilfe von Spenden für mehr als 240.000 Dollar (rund 181.000 Euro) gechartert. Laut Sigurvinsson wird Snowden wahrscheinlich nur mit grünem Licht der Regierung nach Island ausreisen. "Es wäre dumm herzukommen, um dann in die USA ausgeliefert zu werden", sagte der Datacell-Chef. "In dem Fall wäre es besser, er bliebe, wo er ist."

Island bestätigt informelle Kontakte

Die isländische Regierung reagiert zurückhaltend auf Hinweise, dass Snowden in dem Land Schutz suchen will. Sie beharrt darauf, dass Snowden nur in Island selbst politisches Asyl beantragen kann. Die Innenministerin des Landes, Hanna Birna Kristjánsdóttir, sagte am Freitag: "Das Gesetz gilt für alle gleich. Wer in Island um Asyl ersucht, muss sich im Land aufhalten und den Antrag persönlich stellen." Bisher habe das Innenministerium keinen formalen Antrag bezüglich des Falles von Snowden bekommen.