Kairo/Washington. Die ägyptische Staatsanwaltschaft hat am Mittwoch einen Haftbefehl gegen Mohammed Badie erlassen, das Oberhaupt der islamistischen Muslimbruderschaft. Ihm werde vor dem Hintergrund der Unruhen von Montag, bei denen nach letzten Informationen 55 Menschen ums Leben kamen, "Anstachelung zur Gewalt" vorgeworfen, berichtete die staatliche ägyptische Nachrichtenagentur MENA. Ein Sprecher der Muslimbrüder erklärte, Badie sei bisher noch nicht festgenommen worden.

Haftbefehle gebe es auch gegen weitere hochrangige Muslimbrüder, etwa Badies Vize Mahmoud Ezzat sowie die Spitzen der Muslimbrüderpartei "Freiheit und Gerechtigkeit" Essam el-Erian und Mohammed el-Beltagi.

Damit scheint eine Versöhnungsinitiative des ägyptischen Übergangspräsidenten Adli Mansour bereits im Ansatz gescheitert zu sein. Er wollte die "Spaltung der ägyptischen Gesellschaft überbrücken" und "Blutvergießen vermeiden". Der neue Chef der Übergangsregierung, Hazem al-Beblawi, bot der Partei für Freiheit und Gerechtigkeit eine Regierungsbeteiligung an. Die Partei ist der politische Arm der Muslimbruderschaft, der auch der vor einer Woche vom Militär nach Massenprotesten abgesetzte Präsident Mohammed Mursi angehört. Auch Mitglieder der ultra-konservativen Nur-Partei (Nour-Partei) sollten der Übergangsregierung angehören.

Die Muslimbruderschaft hat das Angebot jedoch prompt ausgeschlagen. "Wir machen keine gemeinsame Sache mit Putschisten", sagte ein Sprecher der Muslimbrüder am Mittwoch.

Fahrplan für Wahlen
Das Militär hatte am Mittwoch vergangener Woche mit Mursi den ersten demokratisch gewählten Präsidenten des Landes entmachtet. Dem Islamisten folgte Übergangspräsident Mansour. Er erließ am Montagabend ein Dekret mit einem Fahrplan für Parlaments- und Präsidentenwahlen sowie ein Verfassungsreferendum.

Die Muslimbruderschaft verlangt, dass Mursi wieder in sein Amt eingesetzt wird. In Kairo und anderen Städten demonstrierten am Dienstag erneut Zehntausende Anhänger der Muslimbruderschaft gegen die Absetzung Mursis.

Das Oberkommando der bewaffneten Streitkräfte warnte die Islamisten vor einer Fortsetzung dieser Verweigerungspolitik. "Das Schicksal der Nation ist zu wichtig und zu heilig, als dass es - unter welchem Vorwand auch immer - Gegenstand von Manövern und Blockaden werden kann", hieß es in der Erklärung, die am Dienstag im staatlichen Fernsehen verlesen wurde.