Bamako/Wien. (klh) Es ist der nächste Schritt der Mali-Mission: Nachdem eine französische Militärintervention islamistische Krieger, die den Norden des Landes erobert hatten, großteils vertrieben hat, soll nun am Sonntag ein neuer Präsident gewählt werden. 27 Kandidaten, darunter nur eine Frau, stellen sich dem Votum, mit dem der politische Wiederaufbau des Landes starten soll. Er wird wohl von altbekannten Gesichtern vollzogen werden: Denn die Favoriten bei der Wahl, etwa der Astrophysiker Cheikh Modibo Diarra oder der an der Pariser Sorbonne ausgebildete Historiker Ibrahim Boubacar Keita, kommen alle aus dem politischen Establishment. Keitha und Diarra waren früher schon Premiers.

Manche Kommentatoren klagen daher, dass es mit dem erhofften politischen Neuanfang nichts werden wird. Doch noch viel schwerer wiegt eine andere Sorge: dass die Wahl Mali zusätzlich destabilisiert - einfach, weil sie zu früh kommt, viele Bürger nicht teilnehmen können und daher das Ergebnis von Teilen der Bevölkerung nicht akzeptiert werden könnte.

Denn die Vorbereitungszeit war knapp und verlief sehr chaotisch. So sollen etwa sämtliche 18-Jährige auf den Wählerlisten fehlen. Beobachter schätzen, dass rund ein Viertel der Wähler nicht registriert ist. Das betrifft vor allem den bis vor kurzem umkämpften Norden. Aus diesem sind außerdem hunderttausende Menschen geflohen - auch sie werden keinen Wahlzettel zu Gesicht bekommen.

Furcht vor Attentaten


Im Norden gibt es zudem massive Sicherheitsbedenken: Es wird befürchtet, dass die Islamisten sich bei der Wahl mit Attentaten zurückmelden. Und in der Stadt Kidal wurden Bürger attackiert und getötet - offenbar von Tuareg-Rebellen. Diese waren anfangs mit den Islamisten verbündet, wechselten dann aber auf die Seite der Franzosen und haben kürzlich ein Friedensabkommen mit der Regierung abgeschlossen. Das bedeutet aber noch nicht, dass sie die Wahl begrüßen.

Teibile Drame, der für die Regierung das Abkommen mit den Tuareg ausverhandelt hat, hat die Wahlvorbereitungen gegenüber dem "Spiegel" als "Katastrophe" bezeichnet. Er hat deshalb seine Kandidatur für die Wahl zurückgezogen - obwohl er als einer der Favoriten galt. Und er spricht davon, dass vor allem Frankreich Druck machen würde, an dem Wahltermin festzuhalten. Andere malische Politiker wiederum sprechen sich dafür aus, die Wahl jetzt - trotz aller Defizite - stattfinden zu lassen. Im Hintergrund steht dabei die Sorge, dass sie sonst ständig aufgeschoben wird. An der Macht bleiben würde dann eine Regierung, die nach dem Militärputsch im vergangenen Jahr als Übergangslösung eingesetzt wurde und der es selbst an demokratischer Legitimität fehlt.

Die internationale Gemeinschaft wird jedenfalls noch länger in Mali bleiben. Frankreich will zwar nur noch eine Kerntruppe von 1000 Mann im Land belassen, dafür soll bis Jahresende die UNO-Mission für Mali 12.600 Soldaten stellen, hinzukommt eine 500 Mann starke militärische Ausbildungsmission der EU, für die auch Österreich neun Personen stellt.