Bamako. Bei der Präsidentenwahl in Mali hat die erste Runde keinen offiziellen Sieger hervorgebracht. Obwohl der ehemalige Ministerpräsident Ibrahim Boubacar Keita mit 39,2 Prozent der Stimmen klar vorne lag, konnte er die notwendige 50-Prozent-Hürde nicht nehmen. Nun muss eine Stichwahl am 11. August die Entscheidung bringen. Keitas Gegner ist dabei der Zweitplatzierte Soumaila Cisse (63), der 19,4 Prozent der Stimmen auf sich vereinte.

Ex-Regierungschef versus Ex-Finanzminister

"Wir sind bereit für die zweite Runde des Kampfes und werden dabei den Todesstoß versetzen", sagte am Freitag Abdoulaye Magassouba von Keitas Partei "Rally für Mali". Cisses Anhänger sprachen hingegen von Unregelmäßigkeiten bei der Abstimmung vom vergangenen Sonntag. Seine Partei URD wolle Beschwerde beim Verfassungsgericht einlegen, erklärte Madou Diallo, der die Jugendbewegung von Cisses Partei URD (Union für die Republik und die Demokratie) leitet.

Der 68-jährige Keita, der von seinen Fans kurz "IBK" genannt wird, war von 1994 bis 2000 Regierungschef und später Parlamentspräsident. Er hatte sich schon mehrmals um das Präsidentenamt beworben, aber jeweils gegen den langjährigen Staatschef Amadou Toumani Toure verloren. Dieser war im März 2012 bei einem Militärputsch gestürzt worden. Der frühere Finanzminister Cisse gilt ebenfalls als erfahrener Politiker, der schon zahlreiche politische Ämter bekleidete. Anhänger beider Kandidaten feierten nach Bekanntgabe des Ergebnisses am Freitag auf den Straßen.

Hohe Wahlbeteiligung

Bei der Wahl gab es nach Angaben des Ministeriums für Territoriale Verwaltung eine Rekordbeteiligung von 51,5 Prozent. In dem westafrikanischen Land gehen traditionell nur wenige Menschen zu den Urnen. Zudem ist die Sicherheitslage vor allem im Norden, der zeitweise von Islamisten und Separatisten besetzt war, weiter prekär. Die Wahlbeteiligung fiel dort niedriger aus als in der Hauptstadt Bamako und im Süden.

Trotz der Drohungen von Jihadisten und Tuareg-Rebellen war die Abstimmung friedlich verlaufen. Beobachter sprachen von einem "historischen" Tag. Tausende französische und afrikanische Soldaten waren im Einsatz, um die Sicherheit der Wähler zu gewährleisten.