Zur Beilegung der politischen Krise in Tunesien hat Regierungschef Ali Larayedh eine Zusammenarbeit aller beteiligten Konfliktparteien gefordert. "Dialog ist der beste Weg, um die Schwierigkeiten zu überwinden und die derzeitigen Probleme zu lösen", sagte Larayedh am Donnerstag in einer Botschaft zum Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan. Seine Regierung werde "nichts unversucht lassen, um den Dialogprozess zu befördern".

Seit der Ermordung des Oppositionspolitikers Mohamed Brahmi am 25. Juli gibt es in Tunesien Proteste gegen die regierende islamistische Ennahda-Partei. Viele Bürger machen die Regierung für den Mord verantwortlich. Am Dienstag setzte zudem der säkular gesinnte Präsident der verfassunggebenden Versammlung, Mustapha Ben Jaafar, überraschend die Arbeit des Gremiums bis auf Weiteres aus. Auch er forderte einen Dialog der Konfliktparteien.

Die Opposition, die von Linksextremen bis zu Mitte-rechts-Parteien reicht und von der einflussreichen Gewerkschaft UGTT unterstützt wird, bewertete den Schritt als positiv, aber unzureichend. Ennahda-Chef Rached Ghannouchi meldete am Mittwoch Bedenken gegen den Schritt an, äußerte aber zugleich die Hoffnung, dass eine Regierung der nationalen Einheit gebildet werden könne. Zuvor hatte die Partei eine Kabinettsumbildung strikt abgelehnt.

Die im Oktober 2011 gewählte Verfassungsversammlung kommt wegen zahlreicher Streitpunkte mit ihrer Arbeit seit Monaten nicht voran. Das Gremium soll neben einer Verfassung für Tunesien auch ein neues Wahlgesetz verabschieden, auf dessen Grundlage nach bisheriger Planung im Dezember Neuwahlen stattfinden sollen.