Washington. Edward Snowden haben die USA nicht zu fassen bekommen, doch Konsequenzen aus der Enthüllungs-Affäre zu ziehen, darauf verzichtet die National Security Agency (NSA) natürlich nicht. Etwa 1000 System-Administratoren - wie Edward Snowden einer war - beschäftigt der Geheimdienst. Doch die werden nun im großen Stil gekündigt.

"Was wir gerade machen - nicht schnell genug - ist die Reduzierung unserer System-Administratoren um rund 90 Prozent", sagte NSA-Chef Keith Alexander am Donnerstag. Damit soll die Zahl der Personen mit direktem Zugang zu geheimen Daten reduziert werden. Snowden, der mittlerweile in Russland Asyl erhalten hat, hatte zahlreiche geheime Dokumente über die Arbeit der NSA veröffentlicht und damit deutlich gemacht, dass der Geheimdienst fast den gesamten Internet- und E-Mail-Verkehr der Welt überwacht und die Daten der Nutzer speichert. Eine größere Automatisierung der Computersysteme soll die System-Administratoren wettmachen.

Lavabit macht dicht


Auch gegen "Helfer" Snowdens gehen die US-Behörden nun vor. Ein verschlüsselter E-Maildienst, den der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden zur Kommunikation genutzt haben soll, ist offenbar auf Druck aus Washington zur Schließung gezwungen worden. Der Besitzer des E-Maildienstes Lavabit, Ladar Levison, erklärte auf seiner Webseite am Donnerstag, er habe sich nach langer Überlegung zur Einstellung seines Dienstes entschieden. Entweder er kehre "fast zehn Jahren harter Arbeit" den Rücken oder er werde zum Komplizen "von Verbrechen gegen das amerikanische Volk", schrieb Levison.

Lavabit war in die Schlagzeilen geraten, nachdem berichtet worden war, dass Snowden den Dienst während der Zeit, die er auf dem Moskauer Flughafen Scheremetjewo feststeckte, zur Kommunikation nutzte.

Levison beklagt in seiner Mitteilung, er könne keine Details zu den Ursachen der Einstellung von Lavabit mitteilen. Das US-Recht erlaubt es den Sicherheitsdiensten, Firmen zu verpflichten, dass sie die ihnen erteilten Anweisungen nicht öffentlich machen.

Unterdessen zieht die NSA-Affäre in Deutschland immer größere Kreise. Der deutsche Auslandsgeheimdienst BND hat den Einsatz der von der NSA zur Verfügung gestellten Spionagesoftware bestätigt. Der BND versicherte, er nutze das Programm XKeyScore nur zur Aufklärung ausländischer Satellitenkommunikation. Die Spionage ist inzwischen großes Wahlkampfthema. Nachdem ursprünglich die oppositionelle SPD die Kooperation zwischen NSA und BND der CDU-Kanzlerin Angela Merkel angekreidet hatte, gerät nun der Fraktionschef der deutschen Sozialdemokraten, Frank-Walter Steinmeier in die Kritik. Als ehemaliger Geheimdienstkoordinator habe er die Kooperation zwischen den Geheimdiensten zu verantworten, so der Vorwurf. Steinmeier erklärte, er sei zu einer Aussage vor dem Parlamentarischen Kontrollgremium bereit. Zugleich forderte er Merkel und Verteidigungsminister Thomas de Maiziere auf, ihrerseits dem Gremium zu den Aktivitäten des US-Geheimdienstes Rede und Antwort zu stehen.