Rio de Janeiro. (wak) Nein, man führe keine Wirtschaftsspionage durch, betonte der US-Geheimdienst NSA mehrere Male seit dem Auffliegen des Skandals um das weltumspannende Spionage-Netzwerk. Die Spähaktionen dienten einzig der Verhinderung von Terrorakten.

Doch laut dem brasilianischen Medienkonzern "O Globo" sind nun Dokumente ausgewertet worden, die zeigen, dass die NSA beispielsweise das größte Unternehmen Lateinamerikas, den Mineralölkonzern Petrobras, ausspioniert hatte.

Der Name des brasilianischen Unternehmens tauche in einer Schulungspräsentation der NSA auf, berichtete "O Globo".

Mit den Unterlagen, die aus dem Mai 2012 stammten, bringe die NSA Agenten bei, verschlüsselte Netzwerke auszuspähen, die viele Firmen zur Kommunikation nutzen. Unklar blieb, welche Informationen von Petrobras abgefischt wurden. Die Medien beriefen sich auf die Unterlagen von NSA-Aufdecker Edward Snowden, die von den Journalisten Glenn Greenwald und Sonia Bridi eingesehen worden sind. Auf den Dokumenten für das Training der NSA-Agenten stehe: "Viele Ziele verwenden private Netzwerke". Dabei wird gleich zu Beginn Petrobras genannt. Aber auch Google sowie das Telekommunikationsnetzwerk Swift, worüber tägliche mehrere Millionen Finanzgeschäfte getätigt werden, sollen angezapft worden sein. Swift wird von über 10.000 Banken in 212 Ländern verwendet.

Das sogenannte Swift-Abkommen zwischen den USA und der EU bildet die Grundlage dafür, dass US-Fahnder - bei Terror-Verdacht - Informationen über die Überweisungen von Europäern ins nicht-europäische Ausland abfragen können. Auch die EU kann auf diesem Wege Bankdaten in den USA anfordern. Der deutsche Grünen-Europapolitiker Jan Philipp Albrecht forderte, die EU-Kommission müsse das Abkommen wegen des Bruchs der darin enthaltenen Standards sofort aufkündigen.

In den Dokumenten seien neben Google, Petrobras und diversen Banken weitere Unternehmensnamen enthalten, deren Netzwerke angezapft würden. Diese habe man jedoch geschwärzt. Auf einer der Folien ist auch von "Netzwerken fremder Regierungen, Fluggesellschaften, Energieversorgern und Finanzinstituten" die Rede.

Während die Journalisten die NSA-Aktivitäten zu Angelegenheiten der nationalen Sicherheit nicht offenlegen wollen, kündigte Greenwald weitere Veröffentlichungen an. Er verfüge noch über Dokumente, die "viel mehr Informationen über das Ausspähen von Unschuldigen enthalten".