Kairo. Begleitet von einem massiven Sicherheitsaufgebot begann am Montag in Kairo der Strafprozess gegen den früheren ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi. Der 62-Jährige und 14 weitere Angeklagte seien bereits im Gericht eingetroffen, berichtete das ägyptische Fernsehehen. Mursi wurde per Helikopter zu einem Behelfs-Gerichtssaal in einer Polizeiakademie gebracht.

Die anderen Funktionäre der inzwischen verbotenen Muslimbruderschaft brachte die Polizei in gepanzerten Fahrzeugen zum Gericht.

Hunderte von Anhängern der entmachteten Islamisten protestierten in der Früh vor der Polizeiakademie. Ein Demonstrant trug ein Transparent mit der Aufschrift "Vergewaltigung des Willens des Volkes"

"Überraschungen" angekündigt

Die Staatsanwaltschaft wirft Mursi und den anderen Funktionären vor, sie hätten ihre Anhänger zur Tötung von oppositionellen Demonstranten angestiftet. Die ägyptische Website "youm7" berichtete, die Verteidiger hätten "Überraschungen" angekündigt. Mursi selbst werde ohne Anwalt vor Gericht stehen, hatten seine Anhänger erklärt. Damit wolle er deutlich machen, dass dieser Prozess illegitim sei.

Es ist der erste öffentliche Auftritt des Ex-Präsidenten, seit er am 3. Juli nach Massenprotesten vom Militär entmachtet worden war. Seitdem wird er an einem unbekannten Ort festgehalten. Mursi war der erste frei und demokratisch gewählte Staatschef Ägyptens. Laut Medienberichten wurden für den ersten Prozesstag 20 000 Sicherheitskräfte aufgeboten.