Es klang, als ob sie eine neue Ära einleiten wollte, als die iranische Außenamtssprecherin Marzieh Afkham vor wenigen Tagen vor Journalisten bekannt gab, dass die Intensivierung der ramponierten Beziehungen zu Saudi-Arabien für Teheran oberste Priorität hätte.
"Es wird sich einiges ändern in der iranischen Außenpolitik. Die Hand kann man auch zum Reichen verwenden, nicht nur als Faust zum Zuschlagen", meinte ein iranischer Diplomat gegenüber der APA wohl als Seitenhieb auf die Außenpolitik unter dem letzten iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad.

Die Ankündigung, mit Riad demnächst auf vielen Ebenen das direkte Gespräch zu suchen, kam unmittelbar, nachdem der mächtige Chef des iranischen Schlichtungsrates, Ayatollah Ali Akbar Hashemi-Rafsanjani sich bereit erklärt hatte, nach Saudi-Arabien zu reisen. Er plant für beide Länder eine "Win-win-Lösung" zu erzielen. Vorher müsse aber im Iran eine Atmosphäre geschaffen werden, die dies zulasse, fügte der 79-jährige politische Ziehvater von Hassan Rohani in Anspielung auf die Hardliner hinzu.

Rafsanjani war es auch, der Rohani vor einigen Tagen explizit darauf hinwies, dass nach der vorläufigen Übereinkunft im Atomstreit die Stabilisierung der Beziehung zu Riad der wichtigste Schlüssel zu der von Teheran angestrebten Vormachtstellung im Nahen und Mittleren Osten sei.

Diese Bestrebungen werden auch in Hinblick auf die jüngsten zaghaften Annäherungsversuche zwischen Washington und Teheran relevant. Das hegemoniale Gehabe des schiitischen Gottesstaates, das auf traditioneller iranischer Überzeugung einer "kulturellen Überlegenheit" basiert, wird in den kommenden Monaten stetig zunehmen - verständlich, dass da in sämtlichen Golfmonarchien die Alarmglocken läuten.

Den schiitischen Minderheiten in Saudi-Arabien und Kuwait sowie der schiitischen Bevölkerungsmehrheit in Bahrain würde eine stärkere Stellung Teherans einen gewaltigen Auftrieb verleihen. Die verunsicherten sunnitischen Muslime dieser Länder könnten sich dann aus Furcht vor den Schiiten in ihren Ländern gegen mehr Rechte für diese stellen. Somit könnte der Aufstieg Irans die Reformbereitschaft der Golfmonarchien eher schwächen als stärken.
Überhaupt heizen Instabilität, Krieg und Unruhen im Libanon, in Syrien und im Irak die Lage an: Es handelt sich meist um einen Stellvertreterkrieg zwischen Saudi-Arabien und dem Iran. Vor diesem Hintergrund erklärt sich auch, warum Rohani und der Emir der Vereinigten Arabischen Emirate sich jüngst versöhnlich gaben und, warum die arabischen Golfstaaten ihren Konfrontationskurs gegen den Iran beenden wollen.

Der Gedanke dahinter ist leicht erklärt: Lieber einen strategischen Partner, als einen möglichen künftigen, starken Verbündeten der USA, der feindlich gesinnt ist. Die Staaten des Golfkooperationsrates (GCC) begannen mit dem ersten Schritt der Versöhnungspolitik und erklärten vergangene Woche in Kuwait, sie wollten "die Beziehungen zu Iran als Nachbarland stärken". Außerdem lobten sie die jüngste Einigung im Streit um das iranische Atomprogramm.

Teheran will ebenfalls eine Annäherung und hat bereits eine "Sonderabteilung" für arabische Beziehungen im Außenamt installiert. Eine vorsichtige Versöhnung zwischen Riad und Teheran würde nicht nur die anderen Golfstaaten mitreißen, die Friedenspfeife mit Teheran zu rauchen. Es könnte auch eine Lösung im Syrien