Während im Südsudan Armeeeinheiten gegeneinander kämpfen, flüchten in der Hauptstadt Juba Schutzsuchende auf das Gelände der UN-Friedensmission (UNMISS). Laut Angaben eines UN-Vertreters sind bis zu 500 Menschen getötet worden.

Seit Dienstagmorgen seien "schätzungsweise 10.000 Zivilisten" auf dem UN-Komplex in Juba untergekommen, erklärte die UN-Sonderbeauftragte Hilde Johnson. Sie rief alle politischen Kräfte und Stammesführer zur Zurückhaltung auf, um die ethnischen Spannungen und die gewalttätigen Auseinandersetzungen im Land nicht weiter zu verschärfen. Auch die Afrikanische Union äußerte sich "höchst besorgt" und mahnte eine Deeskalation an.

Regierungsstreitkräfte haben laut Präsident Salva Kiir a Montag einen Staatsstreich vereitelt. In der Nacht zum Dienstag und tagsüber waren Schüsse und Explosionen in mehreren Stadtvierteln zu hören. Auch schwere Waffen kamen dabei zum Einsatz.

In die Krankenhäuser der Hauptstadt Juba seien 400 bis 500 Leichen eingeliefert worden, sagte der Leiter der UN-Friedenseinsätze, Hervé Ladsous, laut Diplomaten am Dienstag vor dem Sicherheitsrat in New York.

Präsident Kiir wird von Führungsmitgliedern der ehemaligen Rebellenorganisation und jetzt regierenden Sudanesischen Volksbefreiungsbewegung (SPLM) "diktatorischen" Verhaltens beschuldigt. Einige Beobachter zweifeln deshalb auch am Wahrheitsgehalt der Putsch-Erklärung von Kiir, der sich möglicherweise bloß seines Rivalen Riek Maschar zu entledigen versuche. Maschar kämpfte einst auf beiden Seiten des Bürgerkriegs. Nachdem er seine Kandidatur gegen Kiir bei der Präsidentschaftswahl 2015 angekündigt hatte, wurde er im Juli als Vizepräsident entlassen.