Neu Delhi/Washington. Zwischen Indien und den USA herrscht dicke Luft. Anlass ist die Festnahme einer indischen Diplomatin in Manhattan. Die 39-Jährige hatte gerade ihre Tochter in die Schule gebracht, als die Handschellen klickten. Später, auf dem Polizeirevier, habe sie eine Leibesvisitation über sich ergehen lassen müssen, sei sechs Stunden verhört und schließlich mit Drogenabhängigen und anderen Kriminellen in eine Zelle gesteckt worden, beschwerte sich Devyani Khobragade, gegen die Haftbefehl erlassen wurde.

Inzwischen ist die Vize-Vizekonsulin wieder auf freiem Fuß - dank einer Kautionszahlung des indischen Staates in der Höhe von 250.000 Dollar. Ihren Pass bekam sie aber nicht zurück, außerdem muss sie sich laut US-Medienberichten jede Woche bei der Polizei melden.

In Indiens Regierung sorgt der Vorfall für einen diplomatischen Aufschrei. Der Umgang mit Khobragade sei "unglaublich schäbig" und "inakzeptabel", wetterte Außenminister Salman Khurshid, und zitierte US-Botschafterin Nancy Powell zu sich. Abgeordnete, unter ihnen Oppositionsführer Narendra Modivon der nationalen Hindupartei BJP, weigerten sich am Mittwoch, eine US-Kongressdelegation zu empfangen, deren Besuch schon lange geplant war. Auch sie fühlen sich in ihrem Nationalstolz gekränkt. Er werde Khobragades "Ehre wiederherstellen" und sie rasch in ihre Heimat zurückzubringen, versprach Minister Khurshid. Doch das könnte sich angesichts der schweren Vorwürfe schwierig gestalten. Gegen die Vize-Konsulin wird wegen Vorlage falscher Unterlagen ermittelt. Um ein Arbeitsvisum für ihre indische Haushälterin zu erhalten, soll sie angegeben haben, ihrer Bediensteten 4500 US-Dollar pro Monat zu zahlen. Tatsächlich habe Khobragade aber nur 3,31 Dollar pro Stunde bekommen - weniger als den gesetzlichen US-Mindestlohn, behauptet die Haushälterin, die sich an die Justiz wandte. Auf Täuschung der Behörden und Visa-Betrug stehen bis zu 15 Jahre Haft. Indiens Regierung pocht auf die diplomatische Immunität der Vize-Konsulin. Diese gelte nur bei "Handlungen, die in Ausübung ihrer konsularischen Funktionen begangenen wurden", kontert das State Department.