Juba. Im Südsudan gibt es alarmierende Hinweise auf Kriegsverbrechen. Wie UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay am Dienstag in Genf bekannt gab, wurde in der Stadt Bentiu im ölreichen Bundesstaat Unity ein Massengrab entdeckt. Zwei weitere Massengräber gebe es wahrscheinlich in der Hauptstadt Juba.

Seit Beginn der Kämpfe vor gut einer Woche gab es laut Pillay Massenexekutionen ohne jedes Gerichtsverfahren. Menschen würden aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit verfolgt, auch gebe es willkürliche Verhaftungen.

Eine Sprecherin Pillays sagte, etwa 75 Leichen seien in dem Massengrab in Bentiu entdeckt worden. Besorgt äußerte sich Pillay auch über das Schicksal Hunderter Zivilisten, die in den vergangenen Tagen bei Razzien in Juba verschleppt wurden. Mehrere hundert Angehörige der Polizeikräfte seien ebenfalls festgenommen worden.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte die kriegsführenden Parteien im Südsudan zuvor gewarnt, Berichte über Kriegsverbrechen würden untersucht. Die Verantwortlichen würden zur Rechenschaft gezogen.

Im nordostafrikanischen Staat Südsudan war vor gut einer Woche ein Machtkampf zwischen Präsident Salva Kiir und seinem früheren Stellvertreter Riek Machar eskaliert, die den verfeindeten Volksgruppen der Dinka und Nuer angehören. Seitdem eroberten die Aufständischen mehrere Städte, Hunderte Menschen wurden getötet, Zehntausende in die Flucht getrieben.

Angesichts der dramatischen Lage ist für Dienstag eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats angesetzt, um das Truppenkontingent der UN-Blauhelm-Mission im Südsudan um 5.500 Soldaten aufzustocken. Zur UNMISS gehören bisher 7.000 Blauhelm-Soldaten, 900 Polizisten sowie mehr als 2.000 Zivilisten aus dem In- und Ausland.