Kein Weihnachtsfriede herrscht im Südsudan. In heftigen Kämpfen zwischen Rebellen und der Regierung des jüngsten Staates der Welt starben in den vergangenen Tagen Tausende. Die Vereinten Nationen (UN) entsenden zusätzliche Blauhelm-Soldaten und wollen damit einen drohenden Bürgerkrieg verhindern. Die EU hat einen Sondergesandten in Marsch gesetzt. Der südsudanesische Präsident Salva Kiir hat zu einem Ende der Gewalt aufgerufen. Dennoch kam es in der Stadt Malakal auch am Mittwoch zu Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Rebellen.

Angesichts der rasant eskalierenden Gewalt in dem ostafrikanischen Land genehmigte der UN-Sicherheitsrat am Dienstag einstimmig den Plan von Generalsekretär Ban Ki-Moon, die Stärke der Friedenstruppe so schnell wie möglich fast zu verdoppeln. Die Soldaten sollen die Zehntausende schützen, die in den UN-Lagern Hilfe suchen. Die Zahl der Blauhelme soll auf 12.500 von derzeit 7000 steigen und die Zahl der UN-Polizisten auf 1323 von derzeit 900.

Währenddessen versuchte die südsudanesische Regierung, zwei von Rebellen gehaltene Bundesstaaten zurückzuerobern. Die Sudanesische Volksbefreiungsbewegung (SPLM), die quasi die Armee des jungen Landes darstellt, sei Sonntagnacht nach Jonglei und ins ölreiche Unity entsandt worden, teilte die Regierung mit. Die Provinzen waren erst vorige Woche von Rebellen, die zum im Juli entlassenen Vizepräsidenten Riek Machar stehen, erobert worden.
Jonglei ist mit über 1,3 Millionen Einwohnern der bevölkerungsreichste der zehn Bundesstaaten des Südsudans. Die Hauptstadtregion Central Equatoria mit Juba hat rund 1,1 Millionen Einwohner.

Präsident Salva Kiir rief am Mittwoch zu einem Ende des Blutvergießens auf. "Unschuldige Menschen sind mutwillig umgebracht worden", erklärte er am Mittwoch laut Twitter-Seite der Regierung. "Menschen werden nur wegen ihrer Stammeszugehörigkeit angegriffen. Dies ist nicht akzeptabel." Ob diesen Worten Taten folgten, ist noch nicht gesichert.

Hintergrund der kürzlich ausgebrochenen Unruhen ist ein Machtkampf von Präsident Salva Kiir mit seinem im Juli entlassenen Stellvertreter Riek Machar. Im Südsudan leben mehrere rivalisierende Volksgruppen. Kiir gehört der größten Volksgruppe, den Dinka, an. Diese dominieren die Regierungspartei und frühere Rebellentruppe SPLM (Sudanesische Volksbefreiungsbewegung), die gegen den Sudan um die Unabhängigkeit kämpfte. Sein Rivale Machar ist dagegen ein Angehöriger der Lou Nuer. Es wird befürchtet, dass sich die Kämpfe zu einem Bürgerkrieg ethnischer Gruppen ausweiten.

Dem britischen Rundfunksender BBC sagte Machar, er führe die Rebellen an. Der Bundesstaat Unity sei vollständig unter seiner Kontrolle. Zugleich erklärte er seine Bereitschaft zu Verhandlungen. Voraussetzung sei allerdings die Freilassung inhaftierter Weggefährten. Kurz nach Beginn der blutigen Unruhen waren mehrere frühere Minister festgenommen worden. Machar sei mit seiner Frau am Wochenende in das Dorf Adok in Unity geflohen, sagte Informationsminister Michael Makuei.

Noch für Montag werde ein Treffen zwischen Kiir und Rebecca Garang erwartet, sagte Makuei der dpa weiter. Rebecca Garang ist die Witwe des 2005 bei einem Hubschrauberunglück ums Leben gekommenen ersten südsudanesischen Präsidenten John Garang. Dieser hatte gemeinsam mit Kiir die SPLM gegründet. Seine Witwe unterstützt allerdings Machar.

Vermittlung...

Die Europäische Union schickt einen Sondergesandten in den Südsudan. Der Sonderbeauftragte Alexander Rondos solle vor Ort Kontakt mit den betroffenen Organisationen und Ländern aufnehmen, teilte eine Sprecherin von EU-Chefdiplomatin Catherine Ashton am Mittwoch mit.

Staatschefs aus ostafrikanischen Ländern wollen sich am Donnerstag und Freitag in Juba zu Krisengesprächen treffen.

...und Rettungsaktionen

Derweil liefen die internationalen Rückholaktionen auf Hochtouren. Die Vereinten Nationen bringen alle nicht dringend benötigten Mitarbeiter ins benachbarte Uganda in Sicherheit. Der britische Außenminister William Hague rief seine Landsleute zum Verlassen des Landes auf. Das US-Außenministerium hat berits etwa 380 US-Bürger und rund 300 Bürger anderer Länder ausgeflogen. Kenia hat Truppen in die Region Jonglei entsandt, um 1.600 Kenianer heimzuholen. Deutschland hat seine Bürger bereits ausgeflogen.