Peking. Wegen seiner Arbeitslager steht China schon lange unter Beschuss. Ohne Gerichtsverfahren kann die "Umerziehung durch Arbeit" (Laojiao) bis zu drei Jahre willkürlich angeordnet und noch um ein Jahr verlängert werden. Nach vagen Schätzungen von Menschenrechtsgruppen dürften zuletzt 200.000 bis 400.000 Menschen in rund 300 solcher Lager gesessen sein.

Die Arbeitslager machen gute Geschäfte. Eigentlich sollen Insassen nur sechs Stunden am Tag arbeiten. Doch berichten selbst offizielle chinesische Quellen, dass Häftlinge ausgebeutet werden und häufig alle sieben Tage der Woche zehn Stunden arbeiten müssten.

1957 wurden die Lager geschaffen. Zumindest der Idee nach sollten hier Kleinkriminelle durch Arbeit umerzogen werden, um sie wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Doch schon Ende der 50er Jahre wurden rund 500.000 in Ungnade gefallene Intellektuelle in solche Lager gesteckt. Bis heute werden neben Dieben, Prostituierten oder Randalierern auch lästige Bittsteller, Aktivisten und Dissidenten inhaftiert.

Entfernung unliebsamer Kritiker wie Liu Xiaobo
Mit der Administrativhaft wurden unliebsame Kritiker ohne Richter oder Anwalt aus dem Weg geräumt. Viele Bürgerrechtler wie auch der heute wegen Untergrabung der Staatsgewalt verurteilte und inhaftierte Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo sind in den Lagern gesessen. Auch Zehntausende Angehörige der in China verbotenen Kultbewegung Falun Gong sind zur Umerziehung inhaftiert worden. Häufig wurden sie misshandelt. Eine unbekannte Zahl kam ums Leben.