Washington. (reu) Zwischen Washington und Moskau droht ein neues Zerwürfnis in der Iran-Politik. Als Antwort auf Teherans Kompromissbereitschaft im Atom-Streit will Russland künftig iranisches Öl im Wert von 1,5 Milliarden Dollar (1,1 Milliarden Euro) monatlich importieren - das sind rund 500.000 Barrel Öl pro Tag. Unter der Bedingung, dass mit den Geldern Nahrungsmittel und Technikprodukte angeschafft werden müssen.

Das Weiße Haus zeigte sich "not amused" über die russischen Pläne. Eine solche Vereinbarung stünde "nicht im Einklang mit den Bestimmungen des Abkommens der 5+1-Gruppe" und könnte "möglicherweise US-Sanktionen auslösen" , hieß es. Außenminister John Kerry habe in dieser Angelegenheit bereits seinen russischen Amtskollegen Sergej Lawrow angerufen, "um ihm direkt seine Besorgnis auszudrücken", sagte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates im Weißen Haus, Caitlin Hayden.

Am Wochenende hatte der Iran mit den fünf UNO-Vetomächten und Deutschland vereinbart, wichtige Teile seines Atomprogramms für sechs Monate auf Eis zu legen. Im Gegenzug sollen ab 20. Jänner die Finanzsanktionen gegen Teheran gelockert werden. So hebt die EU ihr Transport- und Versicherungsverbot für iranisches Öl auf. Goldhandel ist wieder erlaubt. US-Präsident Barack Obama will die Strafmaßnahmen ebenfalls entschärfen und eingefrorene iranische Gelder im Wert 4,2 Milliarden Dollar ab März freigeben.Doch Moskau geht mit seinem Konzept, das Ölembargo zu durchkreuzen, einen Schritt weiter - einen zu viel in den Augen von US-Präsident Barack Obama. Er steht wegen seines - in den Augen vieler Kongressmitglieder zu nachgiebigen - Iran-Kurses innenpolitisch ohnehin unter Druck. Viele Senatoren verlangen statt der Lockerung eine Ausweitung der Sanktionen und bereiten einen entsprechenden Gesetzesentwurf vor.