Globale Risiken auf einen Blick.
Globale Risiken auf einen Blick.

London. (red) Das chronische Einkommensgefälle zwischen Arm und Reich verfügt über das größte Potenzial, im kommenden Jahrzehnt weltweit schwerwiegenden Schaden zu verursachen. Dies geht aus dem "Global Risk Report 2014" des Weltwirtschaftsforums (WEF) hervor, der eine Woche vor dem Jahrestreffen in Davos präsentiert wurde. Die Ungleichverteilung des Wohlstands und die damit wachsende Wahrscheinlichkeit von sozialen Unruhen führt bereits zum dritten Mal die Liste der wahrscheinlichsten Gefahren für die Welt an - ungeachtet der in vielen Ländern einsetzenden wirtschaftlichen Erholung.

Die Sorge vor steigenden Ungleichgewichten bei den Einkommen bezieht der Report zudem explizit nicht nur auf die Entwicklungsländer, sondern auch auf Europa und seine Krisenländer. Der Bericht konstatiert, dass die Generation derer, die gerade erwachsen werden und mit hoher Arbeitslosigkeit und prekären Beschäftigungsverhältnissen konfrontiert seien, wächst. Dass immer weniger Jobs mit Langzeitperspektiven verfügbar wären, behindere ihre Bestrebungen, sich eine Zukunft aufzubauen, und erhöhe infolge das Risiko von sozialen Unruhen. Gleichzeitig trage die Generation die Verantwortung, die alternde Gesellschaft zu unterstützen.

Diese Entwicklungen behindere aber neben der sozialen und politischen Stabilität auch die wirtschaftliche Entwicklung. Besonders schwerwiegend sei das Problem der Jugendarbeitslosigkeit mit mehr als 50 Prozent in Ländern wie Spanien oder Griechenland. "Jugendarbeitslosigkeit in einem solchen Ausmaß ist nicht allein eine Vergeudung menschlichen Kapitals, sondern droht auch, den gesamten wirtschaftlichen Fortschritt zu bremsen", heißt es in der WEF-Studie. Der Bericht schätzt, dass auch in Entwicklungsländern zwei Drittel der jungen Arbeitskräfte ihr wahres wirtschaftliches Potenzial aktuell nicht entfalten können.

Finanzkrise weiterhin Risiko


Als "Teufelskreis" bezeichnen die Verfasser den Umgang vieler Staaten mit der Finanzkrise. Nach wie vor würden Regierungen mehr ausgeben als sie einnehmen. Die Differenz werde durch Staatsanleihen ausgeglichen, also durch das Borgen von immer mehr Geld bei privaten Investoren. "Die Angst, dass ein Land nicht mehr in der Lage ist, seine Schulden zu begleichen, kann rasch in eine fatale Spirale führen."

Als besonders gefährlich werden Staatsschulden der USA in Höhe von mehr als 100 Prozent des Bruttosozialprodukts sowie Japans mit mehr als 230 Prozent bezeichnet. In der Eurozone seien zwar die Staatsschulden weniger hoch, die Krisengefahr sei aber trotzdem enorm, weil einzelne Euro-Länder bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten "nicht mehr die Option haben, durch eine Abwertung ihrer Währung die notwendigen fiskalen Anpassungen vorzunehmen".

Politiker und Wirtschaftsführer müssten den absehbaren Risiken entschlossener und konzertierter entgegenwirken als bisher, forderte WEF-Präsident Klaus Schwab. Der Bericht, für den mehr als 700 Experten in einer Vorschau auf die kommenden zehn Jahre 31 Risiken von weltweiter Bedeutung beleuchten, die im Eintrittsfall über ganze Länder und Industriezweige hinweg erheblichen ökonomischen Schaden anrichten könnten, soll in der kommenden Woche in Davos (22. bis 25. Jänner) erörtert werden. Daran nehmen mehr als 2500 Persönlichkeiten aus fast 100 Ländern teil - unter ihnen mehr als 40 Staats- und Regierungschefs.