Nun muss sich Bachelet sogar von der anderen Seite mit der Frage herumschlagen, ob ihr Land denn nun einen ähnlichen links-radikalen Kurs wie Venezuela einschlagen wolle. "Chile bleibt Chile - wir gehen unseren eigenen Weg", antwortete sie. Diese Distanz und Unabhängigkeit ist die Stärke der kleingewachsenen Frau.

Bachelet ist ungeheuer beliebt in Chile. Lateinamerikanische Medien vergleichen ihren Einfluss auf dem Kontinent mit dem der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel in Europa. Die Verfassung verbot 2010 die erneute Kandidatur, ihre Wiederwahl wäre gewiss gewesen. Denn vor vier Jahren hatte sie das Amt mit den höchsten Popularitätswerten für einen scheidenden Präsidenten verlassen. Im Dezember 2013 gewann sie wieder die Präsidentschaft - in zweiter Wahlrunde gegen die konservative Kandidatin Evelyn Matthei - mit 62 Prozent der Stimmen.

Die Zeit zwischen den beiden Amtszeiten nutzte sie, um ihr internationales Netzwerk weiter zu auszubauen. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hatte sie als Executive Director der Frauen-Organisation UN Women berufen. Auch in diesem Amt wuchs ihr Einfluss.

Ihre Popularität schützt sie allerdings nicht vor handwerklichen Fehlern in den Niederrungen der nationalen Politik. Zuletzt musste sie gleich mehrfach Kandidaten für ihr Kabinett austauschen, weil dunkle Schatten auf deren Vergangenheit lasteten. Die für ein hohes Amt im Verteidigungsministerium vorgesehene Carolina Echeverría musste verzichten, weil ihr Vater in die Machenschaften der chilenischen Militärdiktatur verstrickt war. Zuvor fielen bereits zwei andere von Bachelet Auserwählte durch das Raster, weil Interessenkonflikte drohten. Korruptionsverdacht gleich zu Beginn der Amtszeit wäre alles andere als ein positives Signal gewesen.

Bachelet muss nach ihrem Wahlsieg nun liefern und all das umsetzen, was sie im Wahlkampf versprach, aber bereits in ihrer ersten Wahlperiode nicht umzusetzen vermochte. Dazu gehört eine Reform der Bildungspolitik, eine der Hauptforderungen der chilenischen Studentenbewegung, die nun mit an den Fleischtöpfen der Macht sitzt und ins Parlament eingezogen ist. Auch eine gründliche Aufarbeitung der Militärdiktatur scheute die heute 62 Jahre alte Politikerin bisher. Sie will eine Verfassungsreform anpacken und das geerbte Wirtschaftswachstum des Landes weiter forcieren.