"Wir wollen nicht betteln, sondern einfach nur Gerechtigkeit", betont Idrissa. Jeder andere in- und ausländische Minenbetreiber müsse eine Lizenzgebühr von bis zu 12 Prozent zahlen, warum also nicht auch Areva? Niger brauche keine Geschenke, aber Geld, um sich zu entwickeln.

Allerdings gibt es immer wieder auch Vorwürfe an die Regierung, dass sie die eingenommen Gelder nicht effizient nütze, dass diese teilweise versickern. So hat sich Areva vertraglich dazu verpflichtet, jährlich ein Prozent seiner Einnahmen an den Staat abzugeben. Trotzdem kommen Infrastrukturprojekte nicht voran.

Areva verweist darauf, dass man der größte Arbeitgeber im Niger sei und auch in die soziale Entwicklung des Landes investiere. Der Konzern habe etwa zwei Spitäler und eine Straße im Norden des Landes (wo auch das Uran abgebaut wird) errichtet sowie Gelder für Schulen hergegeben, berichtet eine Pressesprecherin von Areva.

Der Aktivist Idrissa reagiert nur mit einem wütenden Kopfschütteln, wenn er auf die sozialen Taten von Areva angesprochen wird, und zeichnet ein ganz anderes Bild. Die Straßen in der Region befänden sich in einem desaströsen Zustand. Er berichtet, dass es den von Areva geförderten Ärzten in der Uranförderregion am Nötigsten fehle, nicht einmal Röntgenbilder könnten gemacht werden, und es komme oft zu Fehldiagnosen. "Kranke werden nach Hause geschickt, um dort zu sterben." Dabei seien die Bewohner der Region großen Gesundheitsschäden ausgesetzt. Wasser und Luft seien verseucht, weshalb es etwa häufig zu Früh- oder Fehlgeburten komme.

Dass der gelbe Kuchen - so wird das aus Uranerzen gewonnene, pulverförmige Gemisch genannt - verseucht ist, haben auch Umweltorganisationen festgestellt. Greenpeace hatte 2010 festgehalten, dass bei vier von fünf Wasserproben der Strahlenwert ordentlich über der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Höchstdosis lag. Während in anderen Ländern radioaktiver Schutt und Chemikalien in Stollen gelagert werden, hat sich in Niger unter freiem Himmel ein Berg aus etwa 35 Millionen Tonnen dieses Materials gebildet. Der Kommentar von Areva? Der Konzern würde alles unternehmen, um die Auswirkungen auf die Umwelt gering zu halten. Man würde sich in Niger an internationale Umweltstandards halten.