Teheran. Im Gespräch mit Außenminister Sebastian Kurz am Sonntag betonte sein Amtskollege Mohammad JAvad Zarif den guten Willen des Iran im Atomstreit. Das Thema Langstreckenraketen müsse aber ausgeklammert werden.

Die von den USA aufs Tapet gebrachte Verknüpfung mit dem Verbot einer Bestückung von iranischen Langstreckenraketen mit Nuklearsprengköpfen könne schon deshalb nicht Teil der Verhandlungen sein, argumentierte Zarif, weil der Iran keinerlei atomare Militärpläne hege und diese überhaupt ablehne. "An dem Tag, an dem die Welt ohne Atomwaffen dasteht, wird sie eine bessere Welt sein", war Zarif mit Kurz einer Meinung. Daher sei es auch absurd zu glauben, dass der Iran seine Raketen als Massenvernichtungswaffen nützen wolle. Die Raketen dienten allein zu Verteidigungszwecken. "Und in diese Pläne darf sich niemand einmischen."

Dass konservative Hardliner im Iran ein mögliches Atomabkommen torpedieren könnten, glaubt Zarif nicht: Im Iran gebe es eine gesellschaftliche Vielfalt, meinte der Außenminister, also auch Kräfte, die ein Agreement aus politischen Gründen nicht unterstützen. Könne aber bei den Gesprächen mit den fünf UNO-Vetomächten und Deutschland ein positives Ergebnis zwischen gleichberechtigten Partnern auf Augenhöhe erzielt werden, werde dieses vom "Großteil des iranischen Volkes" unterstützt werden.

Keine Atombombe im Iran

Kurz unterstrich - streng beäugt von den Bildnissen des verstorbenen Revolutionsführer Ayatollah Ruhollah Khomeini und dem aktuellen geistlichen Oberhaupt Ayatollah Ali Khamenei - im abgesehen vom prunkvollen Kristall-Vestibül vor dem Besprechungssaal eher in die Jahre gekommenen Außenministerium die positiven Aspekte eines möglichen Abkommens. Einerseits würde sichergestellt, dass es im Iran keine "Atombombe" gebe, die Region und die Welt damit sicherer werde, und zudem die Aufhebung der von Österreich mitgetragenen Wirtschaftssanktionen anstünden.

Derzeit leidet der iranische Alltag noch unter den Sanktionen. Einer sehr hohen Inflation stehen geringe Löhne gegenüber. Zuletzt wurden die Benzinpreise stark angehoben. Die Arbeitslosigkeit steigt, ebenso die Zahl der von Armut Betroffenen. Aber auch die Mittelschicht kämpft zunehmend mit Problemen. Viele Iraner können von ihrem Hauptberuf nicht leben, heißt es unter Diplomaten: "Sie sind zu Nebentätigkeiten gezwungen." Bei einer Aufhebung werden aber auch österreichische Unternehmen bereits für Geschäfte parat stehen, versprach der 27-jährige Außenminister.
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