Von den Kämpfen vertrieben: Kinder in einem Flüchtlingslager. - © Reuters/Kate Holt/Unicef/Handout
Von den Kämpfen vertrieben: Kinder in einem Flüchtlingslager. - © Reuters/Kate Holt/Unicef/Handout

Juba. (klh/dpa) Die Aufforderung des UN-Sicherheitsrates an die südsudanesischen Politiker ist klar und deutlich: Sie sollen öffentlich verkünden, dass Übergriffe auf Zivilisten nicht akzeptabel sind. Und dass diejenigen, die sich nicht an diese Vorgabe halten, zur Verantwortung gezogen werden.

Wie weit Präsident Salva Kiir und sein früherer Vize Riek Machar zum Einlenken bereit sind, ist aber fraglich. Die beiden einstigen Verbündeten liefern sich seit Monaten einen Machtkampf und scheinen dabei keine Skrupel zu kennen. Eine im Jänner ausverhandelte Friedensvereinbarung ist nicht das Papier wert, auf dem sie geschrieben steht. Kämpfe zwischen bewaffneten Truppen beider Seiten haben sich in den vergangenen zwei Wochen verschärft. Und ein Aspekt macht den Konflikt noch einmal besonders gefährlich: Die Auseinandersetzungen spielen sich entlang ethnischer Trennlinien ab. Kiir gehört den Dinka, der größten Volksgruppe an, Machar ist ein Nuer, es häufen sich Berichte über ethnisch motivierte Morde. Im Südsudan droht ein Völkermord, warnen Beobachter.

"Neue Dimension des Horrors"


Wie real diese Befürchtungen sind, zeigte sich erst kürzlich bei einem Massaker in Bentiu. Nachdem Rebellen die Stadt Mitte April erobert hatten, hatten Dinka in einer Moschee Zuflucht gesucht - sie wurden laut Zeugenberichten allesamt erschossen. Auch im örtlichen Krankenhaus töteten die Rebellen Nicht-Nuer. Das Gemetzel an schätzungsweise mehr als 200 Zivilisten habe das Land "in eine neue Dimension des Horrors" gestürzt, sagt Skye Wheeler von Human Rights Watch.

Laut UN-Berichten wurden die Rebellen im Radio dazu angestachelt, Frauen anderer Ethnien zu vergewaltigen. Das weckt Erinnerungen an den Genozid in Ruanda vor 20 Jahren. 1994 hatten dort Hutu-Milizen binnen 100 Tagen mehr als 800.000 Tutsis und moderate Hutus getötet. Das Radio spielte bei der Entfesselung der Gewalt damals eine gewichtige Rolle. Hinzu kommt noch, dass, wie damals in Ruanda, auch im Südsudan Politiker rassistische Reden halten.

Menschenrechtler fordern die internationale Politik auf, diesmal nicht so untätig zu bleiben wie damals in Ruanda. Tatsächlich haben die im Land stationierten UN-Truppen ihre Camps für Flüchtlinge geöffnet. Grund dafür seien die Lehren aus Ruanda, heißt es aus UN-Kreisen. Doch selbst die UN-Stützpunkte werden im Südsudan von bewaffneten Gruppen angegriffen, wobei auch schon Blauhelme getötet wurden.

Von den Kämpfen vertrieben: Kinder in einem Flüchtlingslager. - © Reuters/Kate Holt/Unicef/Handout
Von den Kämpfen vertrieben: Kinder in einem Flüchtlingslager. - © Reuters/Kate Holt/Unicef/Handout

Den UN-Truppen fehlen schlicht die Kapazitäten: Zwar beschloss der Sicherheitsrat bereits Ende vergangenen Jahres die 7000 Soldaten und Polizisten im Land um 5000 Mann zu verstärken. Doch wer die bereitstellen soll, ist unklar. Bis Ostern waren gerade einmal 800 zusätzliche Soldaten eingetroffen, berichtete die "Süddeutsche Zeitung".

Der UN-Sicherheitsrat droht nun beiden in den Konflikt involvierten Seiten Sanktionen an. Werden die Geldflüsse hochrangiger Politiker trocken gelegt, könnte dies tatsächlich Wirkung zeigen. Denn beim Machtkampf im Südsudan geht es auch um viel Geld. Geld, das vor allem durch Ölverkäufe eingenommen wird. Deshalb ereignen sich die meisten Kämpfe auch rund um die Ölfelder im Norden des Landes.

Hunger breitet sich aus


Doch während der Ölexport die Taschen schon vieler Politiker gefüllt hat, bleibt die Zivilbevölkerung auf der Strecke. Der Südsudan, der erst im Jahr 2011 vom Sudan unabhängig wurde, ist einer der ärmsten Staaten der Welt. Die Kämpfe haben die humanitäre Krise noch einmal verschärft. Die Gefechte haben mehr als eine Million Menschen vertrieben, sie suchen Schutz in den UN-Camps, in Flüchtlingslagern, in den Nachbarländern. Oder sie sind in die Wälder geflohen und für Hilfsorganisationen nicht erreichbar. Zudem haben die Kämpfe Bauern von der Ernte abgehalten. Deshalb leiden laut UNO bereits eine Million Menschen Hunger.