Ramallah/Jerusalem. Papst Franziskus hat am Sonntag in Bethlehem die Staatsspitzen von Israel und Palästina überraschend zu einem Friedensgebet in den Vatikan eingeladen. Er spreche die Einladung an Shimon Peres und Mahmoud Abbas "an diesem Ort" aus, "wo der Friedensfürst geboren wurde", sagte der Papst. Damit ist die Nahost-Reise des Kirchenoberhaupts politischer geworden als erwartet - stecken doch die Friedensverhandlungen zwischen Israel und Palästina in einer Sackgasse. US-Außenminister John Kerry vermittelt bisher vergebens.

Für die zweite Überraschung sorgten Peres und Abbas: Sie nahmen die Einladung des Papstes an. Das bestätigten die Büros der beiden Politiker laut israelischen Medienberichten. Ein Termin für das gemeinsame Gebet wurde noch nicht genannt.

Der Papst hat zudem in Bethlehem im Westjordanland ein Ende des Nahost-Konflikts und eine Zwei-Staaten-Lösung gefordert. Es sei an der Zeit, der Situation, die "immer unerträglicher" werde, ein Ende zu setzen, sagte Franziskus bei einem Treffen mit Abbas. Danach legte er auf dem Weg zum Krippenplatz in Bethlehem einen ungeplanten Zwischenstopp an der israelischen Sperranlage zum Westjordanland ein. Er stieg aus dem Papamobil und ging zu Fuß zur acht Meter hohen Mauer. Auch auf konfessioneller Ebene sorgte Franziskus für Aufsehen: In der Grabeskirche von Jerusalem traf er den Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I. Erstmals feierten somit Führer der katholischen und der orthodoxen Kirchen an diesem Ort gemeinsam einen Gottesdienst.