Al-Sisi stieg vom Armee- zum Staatschef auf. - © reu/Al Youm Al Saabi
Al-Sisi stieg vom Armee- zum Staatschef auf. - © reu/Al Youm Al Saabi

Kairo. Eine geringe Wahlbeteiligung trübt den Sieg von Ex-Armeechef Abdel Fattah al-Sisi bei der Abstimmung über den Präsidenten Ägyptens. Trotz der Verlängerung des Urnengangs gaben mit 44,4 Prozent der Wähler nach Angaben aus Justizkreisen nur gut halb so viele Bürger ihre Stimme ab wie von ihm angestrebt. 2012, bei der ersten freien Wahl in dem Land, aus der der Islamist Mohammed Mursi als Präsident hervorging, gaben 52 Prozent der Wähler ihre Stimme ab. Nach Massenprotesten gegen Mursis Politik setzte Sisi den Präsidenten im vergangenen Jahr ab.

Weil am Sieg des Generals kein Zweifel bestehen konnte, gilt die Wahlbeteiligung als wichtiger Hinweis darauf, wie beliebt der neue Präsident tatsächlich beim Volk ist. Sisi hat vage Reformen angekündigt, um die marode Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen und will gegen die Massenarbeitslosigkeit und das hohe Staatsdefizit vorgehen. Unklar ist, ob er genug Rückhalt hat, um Maßnahmen wie die Abschaffung der milliardenschweren Energie-Subventionen durchzusetzen.

Nach Angaben aus Justizkreisen erhielt Sisi 93,3 Prozent der Stimmen. Sein einziger Gegenkandidat, der linksgerichtete Hamdin Sabahi, kam danach auf drei Prozent. Weitere 3,7 Prozent der Stimmzettel wurden für ungültig erklärt. Nach Ansicht von EU-Beobachtern war die Wahl demokratisch, aber nicht besonders fair. Der Vorsitzende der Wahlbeobachter-Delegation des Europäischen Parlaments, Robert Goebbels, sagte: "Die Wahl war demokratisch, friedlich und frei, aber nicht immer sehr fair." Sabahi hatte laut Goebbels deutlich weniger Gelegenheit, die Wähler über die Medien anzusprechen.