Iraker auf der Flucht
Iraker auf der Flucht

Mossul. (vee/ag) Während die einen sich verzweifelt fragten, wo denn Polizei und Armee sei, posteten andere in irakischen sozialen Medien bereits Bilder von Haufen abgelegter Uniformen, die wahllos verstreut mitten auf der Straße zurückgelassen worden waren. Nach schweren Gefechten gelang es Kämpfern einer islamischen Terrorgruppe, am Dienstag die nordirakische Stadt Mossul einzunehmen. Sie überrollten das Gebäude der Provinzregierung, den Flughafen, Polizeistationen und Gefängnisse. Den irakischen Sicherheitskräften blieb offenbar nur noch die Flucht. Die Regierung versuchte erst gar nicht, die Situation zu beschönigen. Die Stadt sei "nicht mehr unter staatlicher Kontrolle und in den Händen der Aufständischen", hieß es aus dem Innenministerium.

Bereits seit Tagen liefern hunderte Kämpfer der Gruppe Islamischer Staat im Irak und der Levante (Isil/Isis) der Armee in mehreren Städten schwere Gefechte. Die sunnitische Gruppierung startete letzte Woche etwa einen Angriff auf die Stadt Samara, die mit der Goldenen Moschee die Gräber zweier wichtiger schiitischer Imame beherbergt. Die irakische Armee konnte sie noch zurückdrängen, genauso wie einen Angriff auf ein Anti-Terrorismus-Zentrum außerhalb von Bakuba. In Ramadi wiederum stürmten Bewaffnete am Samstag die Anbar-Universität und nahmen hunderte Studenten und Angestellte als Geiseln, bevor sie sich bei ihrem Abzug heftige Gefechte mit der anrückenden Armee lieferten. Große Teile der Städte Ramadi und Falluja (Provinz Anbar) werden bereits seit Jahresbeginn von der Isis und mit ihr verbündeten Stammesverbänden kontrolliert. Mit der Einnahme der Millionenstadt sind die Extremisten ihrem Ziel, die von ihnen beherrschten Gebiete in Syrien und Irak zu verbinden, einen großen Schritt näher.

Iraker auf der Flucht
Iraker auf der Flucht

Parlamentspräsident Osama al-Nujaifi erklärte am Dienstag, dass nun die gesamte nördliche Provinz Ninive, deren Hauptstadt Mossul ist, "in die Hände der Aufständischen gefallen" sei. Nun wollten die Rebellen in die Nachbarprovinz Salaheddin "einfallen". Laut Nujaifi müssten "alle Kräfte im Irak mobilisiert und internationale Anführer gewarnt" werden, um dieser "Terroroffensive die Stirn zu bieten". Andernfalls werde diese sich auf den gesamten Irak ausweiten.

Hunderttausende flüchten


Nach dem Vormarsch der jihadistischen Gruppe Islamischer Staat im Irak und der Levante sind nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) aus der Drei-Millionen-Stadt Mossul rund 500.000 Menschen geflohen. Viele hätten sich zu Fuß auf den Weg gemacht, da ihnen die Nutzung ihrer Fahrzeuge in der Stadt verboten worden sei. Beobachter gehen davon aus, dass mehr als 3000 Isil-Kämpfer in der Region Mossul aktiv sind. Die Gruppe gehört zu den radikalsten Sunnitengruppen, die im arabischen Raum einen Gottesstaat errichten wollen.