Bogota. Kolumbiens Stichwahl am Sonntag entscheidet nicht nur über einen neuen Präsidenten, sondern auch über die Zukunft der Friedensgespräche mit der Farc-Guerilla. Staatschef Juan Manuel Santos stellt sich mit Verhandlungsfortschritten zur Wiederwahl gegen seinen konservativen Herausforderer Oscar Ivan Zuluaga, der die angebliche Nachgiebigkeit des Präsidenten anprangert.

Santos möchte als Friedensstifter in dem 50-jährigen Konflikt in die Geschichte eingehen. Er fordert die Wähler auf, ihm mit einer zweiten Amtsperiode die Gelegenheit dazu zu geben. Seine Wiederwahl ist jedoch keineswegs sicher. In der ersten Wahlrunde am 25. Mai hatte Santos nur mit einem Vorsprung von 3,5 Prozentpunkten vor Zuluaga gesiegt.

Von den drei ausgeschiedenen Kandidaten gab die konservative Politikerin Maria Lucia Ramirez (15,5 Prozent in der ersten Wahlrunde) Zuluaga ihre Unterstützung für die Stichwahl. Die linke Kandidatin Clara Lopez (15,2 Prozent) rief indessen ihre Wähler auf, ihre Stimme für Santos abzugeben. Der Kandidat der Grünen, Enrique Penalosa (8,3 Prozent) gab keine Wahlempfehlung ab. Entscheidend wird auch die Wahlbeteiligung sein, die in der ersten Wahlrunde nur 41 Prozent betrug.

Die rund 7000 Mann starke Guerilla hat sich für keinen der beiden Kandidaten ausgesprochen. Farc-Chef Rodrigo Londono rief zur Stimmenthaltung auf. Aber indirekt haben die Rebellen die Kampagne des Präsidenten Santos unterstützt.