New York/Den Haag. Die Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH), Fatou Bensouda, hat die UNO zur Untersuchung von Vorwürfen aufgefordert, wonach die Mission der Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union in Darfur (Unamid) Verbrechen sudanesischer Paramilitärs gegen Zivilisten und UN-Soldaten deckte.

Bei der Vorstellung ihres jüngsten Berichts zur Lage in der sudanesischen Krisenregion sagte Bensouda, die Beschuldigungen müssten "für uns alle ein Grund zur Besorgnis sein".

Kritik am UN-Sicherheitsrat

Notwendig sei eine "vollständige, unabhängige und öffentliche Untersuchung". Sollten sich die Vorwürfe als wahr erweisen, müsse die UNO "geeignete Maßnahmen" ergreifen. Unter anderem die UN-Sicherheitsratsmitglieder Frankreich und Großbritannien unterstützten Bensoudas Vorstoß. Die Vorwürfe gegen Unamid waren in mehrere Medien erhoben worden, unter anderem von der ehemaligen Unamid-Sprecherin Aicha El-Basri im US-Magazin "Foreign Policy".

Bensouda kritisierte auch die Unfähigkeit des UN-Sicherheitsrats zur Umsetzung seiner Resolutionen. So sei der sudanesische Präsident Omar al-Bashir immer noch auf freiem Fuß, obwohl der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag einen Haftbefehl gegen ihn wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Darfur erlassen habe. Bashir bewege sich regelmäßig in afrikanischen Ländern, die Mitglieder des IStGH seien. Der UN-Sicherheitsrat müsse eine "dramatische Wende" vollziehen und zur Verhaftung von Bashir und anderer Verdächtiger beitragen, forderte die Chefanklägerin.