Damaskus/Beirut. Im Norden Syriens wüten militante Jihadisten: Zum weiten Mal binnen 24 Stunden erschlugen sie eine Frau mit Steinen. Das Opfer sei Freitagabend wegen des Vorwurfs des "Ehebruchs" von Mitgliedern der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) auf einem Platz der von ihnen kontrollierten Stadt Rakka getötet worden, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag unter Berufung auf Augenzeugen.

Die Einwohner hatten sich zuvor geweigert, die Steinigung zu vollziehen. Nach Angaben der Beobachtungsstelle hatten IS-Terroristen bereits am Donnerstagabend eine 26-jährige Witwe auf einem Platz der Stadt Tabka bei Rakka gesteinigt, nachdem sie ein religiöses "Gericht" wegen Ehebruchs verurteilt hatte. Die Beobachtungsstelle zitierte einen Aktivisten, wonach die Bewohner entsetzt über die grausamen Methoden gewesen seien, aber nicht dagegen einzuschreiten gewagt hätten.

Der Leiter der in Großbritannien ansässigen Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, verurteilte die Steinigungen und kritisierte, die Urteile hätten nichts mit dem islamischen Gesetz der Scharia zu tun. Er erinnerte zudem daran, dass sich die Urteile der Gruppe immer wieder als falsch erweisen würden. So sei vor etwa zwei Monaten ein Jugendlicher gekreuzigt worden, weil eine Frau, der er Geld schuldete, ihm fälschlicherweise Vergewaltigung vorwarf. Vor vier Monaten habe IS in Rakka zudem ein Mann wegen Mordes gekreuzigt, doch habe später der wahre Täter die Tat gestanden.

Bischofssitz in Mossul in Flammen
Kämpfer der Terrorgruppe haben laut einem Kathpress-Bericht den Sitz des syrisch-katholischen Bischofs im irakischen Mossul (Mosul) gebrandschatzt. An die in Mossul verbliebenen Christen erging ein Ultimatum: Sie müssen bis Samstag um 24.00 Uhr Mossul verlassen, so sie nicht zum Islam übertreten oder ein Schutzgeld an Scharia-Gerichte entrichten. Andernfalls droht ihnen der Tod, berichtete der katholischen Erzbischof von Bagdad, Jean Benjamin Sleiman gegenüber dem italienischen Pressedienst SIR.

Im Mossul gebe es eine systematische Christenverfolgung, so Sleiman. Gegenwärtig befänden sich noch geschätzte 50 christliche Familien in der Stadt. Möglicherweise seien inzwischen jedoch auch von ihnen etliche geflohen. "Mossul hat bereits seine christliche Komponente verloren", so der Erzbischof. Vor der Besetzung durch die IS-Kämpfer lebten einige Tausend Christen in der Stadt mit einst 1,5 Millionen-Einwohnern.

Sleiman äußerte sich zudem besorgt über die Lage der Christen auf der Flucht. Die IS-Terroristen nähmen den fliehenden christlichen Familien an Kontrollpunkten Geld, Autos und alle Gegenstände ab, die sie mit sich führten. So seien die Flüchtlinge gezwungen, oft etliche Kilometer bei großer Hitze zu Fuß zurückzulegen, bis sie die ersten christliche Dörfer erreichten.