Wien. Es war ein Marathon. Intensiv und konstruktiv wie nie wurde bei den Wiener Atomgesprächen in sechs Verhandlungsrunden nach einer Lösung für ein großes Problem gesucht: Der Iran will sein Atomprogramm behalten und tendenziell ausbauen. Die Welt will sicher sein, dass Teheran diese Technologie nicht zum Bau einer Atombombe nutzt. Jetzt geht das Ringen um eine Lösung in die Verlängerung.

Große Teile eines Vertrags mit hoch komplizierten technischen Details sind zwar fertig, aber für eine fristgemäße Einigung bis zum 20. Juli fehlte dann doch die Zeit. Jetzt zogen die 5+1-Gruppe (USA, Russland, China, Großbritannien, Frankreich und Deutschland) sowie der Iran bei den Gesprächen im Wiener Luxushotel Palais Coburg den Verlängerungs-Joker.

"Das ist kein Verzweiflungsakt", ist der Iran-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Oliver Meier, überzeugt. "Es ist kein Zeichen, dass die Dinge schlecht laufen oder schlecht gelaufen sind." Auch die beteiligten Nationen zeigen sich optimistisch, dass am Ende eine Einigung zustande kommen wird.

Vor allem die US-Delegation hatte immer wieder die Komplexität der Verhandlungen betont. Wie bei Rubiks Zauberwürfel müssten für eine Einigung sämtliche Facetten passen. Nichts sei beschlossen, bevor nicht in sämtlichen Punkten Einigung herrsche.

Dennoch werden die Beteiligten jetzt nicht wieder bei Null anfangen. Bis spätestens zum 24. November soll weiter an einer umfassenden Lösung gearbeitet werden. Bereits Anfang November endet die Amtszeit von Catherine Ashton als EU-Außenbeauftragte - sie solle die Atomverhandlungen jedoch noch zu Ende führen, hieß es aus westlichen Diplomatenkreisen.

Zentraler Knackpunkt war bis zuletzt das Ausmaß und die Fähigkeit des Irans zur Uran-Anreicherung. Für eine Atombombe muss Uran auf mindestens 90 Prozent angereichert werden. Teheran hat zuletzt bisherige Bestände von auf 20 Prozent angereichertem Uran praktisch komplett abgebaut. Für den Betrieb von Atomkraftwerken ist nur leicht angereichertes Uran (3,5 Prozent) nötig.

Auch die Zahl der für die Anreicherung nötigen Zentrifugen war kontrovers. Nach eigenen Angaben hat der Iran derzeit rund 20.000 Zentrifugen zur Urananreicherung. Die meisten davon sind Jahrzehnte alt und nicht sehr leistungsfähig. Angeblich will der Iran bis zu 50.000 Zentrifugen installieren, der Westen will nur wenige Tausende erlauben. Als Lösung stand zuletzt im Raum, Iran den Zugang zu leistungsfähigeren Maschinen neueren Baujahrs zu ermöglichen. Dadurch müssten weniger Zentrifugen installiert werden - beide Seiten hätten die Möglichkeit, zumindest in diesem Punkt ihr Gesicht zu wahren.

Die Voraussetzungen, den Konflikt beizulegen und den Iran aus seiner Isolation zu führen, bleiben so gut wie lange nicht. Aus Diplomatenkreisen wurde stets die gute Atmosphäre bei den Gesprächen gelobt. Ein Vertrag wäre zudem auch ein Meilenstein in den Beziehungen zwischen dem Iran und den USA. Das Verhältnis der beiden Länder war in den vergangenen Jahrzehnten zerrüttet.