Brasilia. Er hätte bei der brasilianischen Präsidentschaftswahl am 5. Oktober für die Sozialisten gegen die sozialdemokratische Amtsinhaberin Dilma Rousseff antreten sollen. Doch mitten im Wahlkampf wurde Eduardo Campos (49) plötzlich aus dem Leben gerissen: Er befand sich an Bord eines privaten Leichtflugzeugs vom Typ Cessna 560XL, das am Mittwoch bei Santos im Bundesstaat Sao Paulo aus bisher ungeklärten Gründen abstürzte, und kam dabei ebenso ums Leben wie sechs weitere Insassen.

Präsidentin Rousseff sagte sofort alle Wahlkampftermine ab, ihr Vizepräsident Michel Temer zeigte sich geschockt und sprach von einer Tragödie. Auswirkungen hatte die Meldung über Campos’ Tod auch auf Brasiliens Wirtschaft: Die Börse reagierte mit Kursverlusten. Der Leitindex in Sao Paulo brach um bis zu 2,1 Prozent ein. Die Aktien der Ölfirma Petrobras, an der der Staat noch einen hohen Anteil hält, verloren bis zu 5,7 Prozent. Begründet ist dies darin, dass Rousseff unter Börsianern unbeliebt ist, weshalb es in der Vergangenheit immer wieder Kursverluste gab, wenn ihre Wiederwahl wahrscheinlicher wurde. Der Präsidentin wird eine unternehmensfeindliche Politik vorgeworfen. Sie achte nicht auf die Interessen der privaten Minderheitsaktionäre von halbstaatlichen Konzernen wie Petrobras. Campos, früher Gouverneur des nordöstlichen Bundesstaats Pernambuco, war hingegen bei Banken- und Industrieverbänden wegen seiner Wirtschaftsfreundlichkeit beliebt. Er war erst Ende Juni als Präsidentschaftskandidat nominiert worden. In jüngsten Umfragen lag er mit 9 Prozent hinter Rousseff (38 Prozent) und deren größtem Herausforderer, dem Sozialdemokraten Aecio Neves (23 Prozent).