Die Vereinten Nationen haben für den Irak die höchste Notstandsstufe ausgerufen. Angesicht des Umfangs der humanitären Katastrophe gelte für den Irak der Notstand der Stufe 3, teilte der UN-Sonderbeauftragte für den Irak am Mittwochabend mit.

Der Schritt war bereits erwartet worden. Die dritte Stufe ermöglicht es den Vereinten Nationen, zusätzliche Hilfsgüter und Geldmittel zu mobilisieren. Vor allem Nahrung und Wasser sollen für die Zehntausenden Menschen, die vor der Offensive der Terrormiliz Islamischer Staat auf der Flucht sind, bereitgestellt werden.

Der Irak ist das vierte Land, in dem die UN aktuell einen Notstand der Stufe 3 erklärt haben. Die anderen drei sind Syrien, der Südsudan und die Zentralafrikanische Republik.

Deutsche Hilfsgüter

Deutschland schickt am Freitag vier Transall-Maschinen mit Lebensmitteln und Sanitätsmaterial ins nordirakische Kurdistan. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel schließt auch Waffenlieferungen in den Irak nicht mehr aus. In einem Interview mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung sagt Merkel wörtlich: "Es gibt bei Rüstungsexporten für die Regierung immer einen politischen und rechtlichen Spielraum, und den werden wir, wenn nötig, ausschöpfen."

Britische Spezialtruppen

Indes hat Großbritannien nach einem Zeitungsbericht Spezialtruppen in den Nordirak verlegt. Mitglieder der Special Air Service (SAS) seien seit sechs Wochen im Land und kooperierten dort mit amerikanischen Spezialkräften, berichtete die Zeitung "Daily Telegraph" am Donnerstag unter Berufung auf die britische Handelsbeauftragte für den Irak, Emma Nicholson. Ein Sprecher des britischen Verteidigungsministeriums erklärte, über SAS-Einsätze würden grundsätzlich keine Angaben gemacht.

Der britische Premierminister David Cameron hatte am Mittwoch seinen Sommerurlaub abgebrochen und erklärt, sein Land würde sich an jedweder Rettungsaktion für die eingeschlossenen Jesiden beteiligen. Die Angehörigen einer religiösen Minderheit haben sich im Nordirak auf dem Berg Sindschar vor den vorrückenden Kämpfern des Islamischen Staates (IS) geflüchtet.

Sie werden von den USA und Großbritannien aus der Luft mit Nahrungsmitteln und Hilfsgütern versorgt. Die IS bedrohen die Jesiden mit dem Tod. Allerdings ist nach US-Erkenntnissen die Lage der Flüchtlinge nicht so bedrohlich wie ursprünglich angenommen. Deswegen ist eine groß angelegte Evakuierung der Flüchtlinge aus dem Gebiet unwahrscheinlich.

Reimon: "Glaube keine Zahlen mehr"

Anderer Meinung ist EU-Abgeordneter Michel Reimon. Als Passagier eines Hilfshelikopters vor einigen Tagen hat er das Leid in den Sinjar-Bergen gefangen sind, mit eigenen Augen gesehen. Dass die USA nun offenbar doch keine Rettungsmission starten möchte, weil es wesentlich weniger Flüchtlinge als angenommen gäbe, versteht Reimon nicht. "Man hört so viel, ich glaube ohnehin keinen Zahlen mehr. Aber: Alles ist voll mit Flüchtlingen", meint er. Die UNO erklärte am Donnerstag, es befänden sich nur noch 1.000 Jesiden indem Höhenzug.

Dawa-Partei löst sich von al-Maliki

Der erbittert um die Macht kämpfende irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki verliert die Unterstützung seiner Dawa-Partei. In einer am Mittwochabend veröffentlichten Erklärung forderte die Partei alle politischen Blöcke des irakischen Parlaments auf, den designierten Ministerpräsidenten Haidar al-Abadi zu unterstützen, berichtete die unabhängige Nachrichtenseite Al-Sumaria News am Donnerstag.

Haidar al-Abadi, ebenfalls ein Mitglied von Malikis Dawa-Partei, ist von Staatspräsident Fouad Masoum mit der Regierungsbildung beauftragt worden. Es sei wichtig, alle Kräfte zu bündeln und politische Differenzen im Parlament beizulegen, heißt es in der Stellungnahme der Dawa-Partei. Die "Einheit des Irak" könne nur durch eine rasche Regierungsbildung erhalten bleiben.

Al-Maliki hält dennoch an seinem Ziel, eine dritte Amtszeit zu übernehmen, fest. Am Montag hatte der Noch-Ministerpräsident Truppen nach Bagdad beordert, als deutlich wurde, dass viele seiner bisherigen Verbündeten ihn fallen lassen.