Brasilia. Mehr als 160.000 Brasilianer waren gekommen, um dem tödlich verunglückten Präsidentschaftskandidaten Eduardo Campos am Sonntag die letzte Ehre zu erweisen. Auch Ex-Präsident Lula de Silvan ahm am Sonntag in Recife im Nordosten Brasiliens Abschied von dem Linkspolitiker. Die beiden Ex-Parteigenossen kannten einander gut, Lula hatte ihm als Minister für Technologie und Wissenschaft gedient, bevor sich Campos zum Gouverneur des Gliedstaates Pernambuco wählen ließ - ein Posten, den schon sein Großvater innehatte. Mit Lulas Nachfolgerin an der Staatsspitze, Dilma Roussef, hatte er sich aber 2013 überworfen. Campos verließ die Arbeiterpartei und gründete seine eigene Bewegung.

Im Oktober wollte er bei der Präsidentenwahl im Oktober gegen Amtsinhaberin Rousseff antreten, die als Favoritin ins Rennen geht. Umfragen sahen ihn auf Platz drei. Am Mittwoch stürzte der 49-Jährige mit seinem Privatflugzeug, das er für seinen Wahlkampf nutzte, in der brasilianischen Küstenstadt Santos ab. Alle sieben Insassen starben. Die Ermittlungen zur Absturzursache dauern an, der Voicerekorder wurde zwar gefunden, die Gespräche darauf stammten aber nicht vom besagten Flug. Das heizte die Spekulationen über einen möglichen Anschlag aus politischen Gründen an.

Als Nachfolgerin zieht nun die 56-jährige Umweltpolitikerin Marina Silva in den Wahlkampf. Campos Partido Socialista Brasiliero (PSB) hatte ihrer Kandidatur am Wochenende zugestammt. Silva ist Umweltpolitikerin und hatte sich bereits im Präsidentschaftswahlkampf 2010 um das höchste Amt im Staat beworben - damals noch als Kandidatin ihrer eigenen Bewegung. Doch diese wurde zur Wahl 2014 nicht zugelassen. Als Herausforderin von Dilma Rousseff gehe Silva den Weg der Sozialistischen Partei PSB weiter, teilte der PSB-Vorsitzende Roberto Amaral der Zeitung "Folha de Sao Paulo" mit.

Nach einer mehrtägigen Staatstrauer geht der Wahlkampf damit in eine neue Runde. Silva gilt ebenso wie Campos vor allem unter den ärmeren Schichten Brasiliens als äußerst beliebt. Umfragen wiesen ihr zuletzt sogar einen kleinen Popularitätsvorsprung vor Campos aus. Beobachter rechnen damit, dass es Silva nun sogar in die Stichwahl gegen Roussef schaffen könnte - falls bei potenziellen Wählern nach der Tragödie um Campos der Empathieeffekt greift. Rousseff war - jedenfalls in Recife - von der Menge ausgebuht worden.