Kobane. Die nordsyrische Kurdenenklave Kobane steht möglicherweise kurz vor dem Fall. Auf einem Gebäude im Osten der Stadt wehte am Montag die schwarze Flagge der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS). Das zeigten Fernsehbilder, die von der Türkei aus aufgenommen wurden.

Zuvor hatte es geheißen, dass die IS-Kämpfer bis zu 200 Meter an die Stadt, die arabisch Ayn al-Arab heißt, herangerückt seien. In der Innenstadt schlugen Mörsergranaten ein.

In der Nacht auf Montag hatten kurdische Kämpfer noch einen Angriff der Dschihadisten  abwehren können. 19 Kurden und 27 IS-Extremisten seien dabei getötet worden, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Bei den Kämpfen am Wochenende starben nach unbestätigten Angaben 86 IS-Extremisten, auf der Seite der kurdischen Verteidiger gab es 17 Tote.

Kurdischer Selbstmord-Anschlag
Eine kurdische Kämpferin soll bei einem Selbstmord-Anschlag südlich von Kobane Dutzende IS-Extremisten getötet haben. Die Frau sei Mitglied der kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) gewesen, sagte der YPG-Kommandant in Kobane nach Angaben der kurdischen Nachrichtenseite Welati. Die Kämpferin habe einen Sprengsatz gezündet.

Panzer vor Kobane
Besonders umkämpft war am Sonntag ein Hügel südöstlich der Stadt. Über Nacht hatten IS-Milizen nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte die Südseite des Mishtanur-Hügels erobert und Panzer in Position gebracht. Die Truppen der YPG hielten die der Stadt zugewandte Nordseite.

Auf Youtube-Videos ist zu sehen, wie die kurdischen Kämpfer mit Kalaschnikows und Panzerfäusten aus Kobane heraus versuchen, die IS-Panzer am Vorrücken zu hindern. Nach Angaben der PKK-nahen Agentur Firat hatten YPG-Kämpfer ein Munitionslager der Extremisten westlich von Kobane zerstört.

Immer wieder schlagen auch Geschosse aus der umkämpften syrischen Region auf türkischem Boden ein. Am Sonntag sei eine Mörsergranate in der Nähe des Grenzübergangs Mürsitpinar gelandet, meldete die Nachrichtenagentur Anadolu. Ein Polizist sei durch Splitter leicht verletzt worden.

Am Montag schlug abermals eine Mörsergranate in einem Haus auf der türkischen Seite der Grenze im Grenzdistrikt Suruc ein. Dabei habe es aber keine Verletzten gegeben, hieß es in Agenturberichten. Die türkischen Behörden ordneten die Evakuierung dreier Grenzdörfer an. Auch Schulen in der Umgebung wurden geschlossen.

Luftangriffe bei Kobane und im Irak
Die USA und ihre arabischen Verbündeten hätten die Kurden mit insgesamt sieben Luftangriffen bei Kobane unterstützt, teilte die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Auch im benachbarten Irak gingen die Kämpfe gegen Einheiten der IS weiter. 20 Kämpfer der Extremisten seien bei Luftangriffen der von den USA angeführten Koalition westlich der nordirakischen Stadt Mossul ums Leben gekommen, berichteten Augenzeugen der Nachrichtenagentur dpa. Zwölf weitere Extremisten seien bei Gefechten mit der irakischen Armee nahe Baiji getötet worden.

Die IS-Dschihadisten hatten am Sonntag erneut die größte Ölraffinerie des Irak angegriffen, seien jedoch zurückgeschlagen worden. Die Anlage rund 200 Kilometer nördlich von Bagdad ist seit Monaten umkämpft. Im Juni hatten Extremisten die Raffinerie kurzzeitig erobert, waren dann jedoch von der irakischen Armee wieder vertrieben worden. Seitdem hat die IS-Miliz mehrmals Baiji angegriffen.