Ankara/Washington. Seit Wochen wehren kurdische Kämpfer den Ansturm der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) auf Kobane ab. Die Hauptlast tragen dabei bisher die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPD), die mit der von der Türkei und der EU als Terrororganisation bekämpften PKK verbündet sind. Die USA und andere Staaten helfen den Kurden in Kobane mit Luftschlägen, waren aber bisher mit direkter Unterstützung der Kämpfer zurückhalten.

Nun erhalten die Kurdenkämpfer neue Unterstützung: Die US-Armee versorgte sie erstmals aus der Luft mit Waffen, wie das US-Militärkommando Centcom am Montag mitteilte. Die Türkei kündigte an, Peschmerga-Kämpfer aus dem Irak könnten künftig über die Türkei zur Unterstützung der Kurdenkämpfer nach Kobane einreisen.

Keine direkte Unterstützung

Außenminister Mevlüt Cavusoglu sagte am Montag in Ankara, man erlaube den Peschmerga künftig den Grenzübertritt nach Kobane. Die kurdischen Volksschutzeinheiten will die Türkei aber weiterhin nicht direkt unterstützen, so lange sie nicht mit der Freien Syrischen Armee kooperiere und Pläne für eine autonome Kurdenregion in Syrien aufgebe. Hinter dem Schritt zur Unterstützung der nordirakischen Kurden steht eine lange kultivierte Allianz: Während sich die türkische Regierung in einem jahrzehntelangen Konflikt mit der PKK befindet, hat sie in den vergangenen Jahren engere Verbindungen zu den Kurden im Nordirak aufgebaut.

Neben Waffen und Munition versorgte das US-Militär die Kurden rund um die umkämpfte syrische Grenzstadt nach eigenen Angaben auch mit medizinischem Material. Demnach wurde das Material, darunter auch Kleinwaffen, von den kurdischen Behörden im Irak bereitgestellt. Ein Sprecher der YPG, Redur Xelil, bezeichnete die Waffenlieferungen als große Hilfe. Diese hätten positive Auswirkungen auf den Kampf gegen die IS-Kämpfer. Er danke den USA für die Unterstützung und hoffe auf weitere Lieferungen.

IS ließ Tikrit hinter sich

Die IS-Miliz hatte zuletzt weite Teile im Norden Syriens sowie im Irak erobert und dort ein "Kalifat" ausgerufen. An der Bekämpfung der Dschihadistengruppe beteiligen sich zahlreiche Länder. Aus dem Irak hieß von der Nachrichtenseite Al-Sumaria News es am Montag, dutzende IS-Anhänger hätten von ihnen kontrollierte Gebiete rund um die Stadt Tikrit in Richtung der Provinz Ninive im Norden des Landes verlassen. Die Region um das 160 Kilometer nördlich Bagdads gelegene Tikrit war in den vergangenen Tagen verstärkt von Flugzeugen der internationalen Allianz bombardiert worden.